Schottland:Motorrad 4

Highlandtouren

Schottland-Highlands-Glencoe

 Ja, ja so schnell geht die Zeit vorbei und schon haben wir 2016. Zeit für den vierten und letzten Teil der "großen Schottland Saga". Ich bin ja froh, dass wir nur diesen 5- tägigen Kurztripp gebucht haben, sonst müsste ich wohl mindestens 20 Teile Reisebericht schreiben.
Denn eins ist klar: Jeder Tag Schottland bietet ein so breites Spektrum an Erlebnissen und Impressionen, dass es wirklich schwer ist diese in einem überschaubaren Bericht zusammenzufassen. Nachdem Ihr ja schon viel über unsere Anreise und erste Erlebnisse in Schottland erfahren habt, erzähle ich heute von einer wirklich tollen Tour in die Highlands, nach Glencoe.

Glencoe - Highlander, Braveheart, James Bond? - Keiner da!

schottisches Frühstück mit Porridge
Porridge? Lecker!

Nachdem wir köstliches Porridge und Blutwurscht mit Speck zum Frühstück verspeist hatten, fuhren wir bei herrlichem Sonnenschein und einer muckeligen Temperatur von 11 Grad vom Green Hotel, in Kinross ab. Ziel: Glencoe. Sagenumwoben und Kulisse unzähliger Hollywood Block Buster. Dies vorweg: Diese Tour ist eine Pflichtveranstaltung für alle Schottland Motorrad Abenteurer. Trotz der „nur“ 276 Miles empfanden wir die Ausfahrt jedoch auch als verdammt anstrengend.
Hier solltet Ihr einen ganzen Tag einplanen.


Zu 100% bekomme ich die gefahrene Route leider nicht mehr zusammen. Das ist aber nicht so schlimm, da ihr Je näher ihr Glencoe kommt, eh nur noch die einzige, fahrbare Strasse benutzen könnt, die A 82.

 

Typisch schottisch geht der erste Teil der Reise ziemlich unspektakulär, aber trotzdem lohnenswert von statten. Kleine Straßen, größere Straßen, kleine Orte, Ginster, Schafe, schlechte Wegstrecken, hügelige Wegstrecken, bergige Landschaften, Seen, kurvige Strecken u.v.m. Alles was sich unsere kleinen, aber ehrlichen Motorradfahrerherzen erträumen. Und immer schön langsam fahren, damit ihr nach links und rechts schauen könnt, um die Schönheit, die Eigenarten und Besonderheiten dieses außergewöhnlichen Landes zu entdecken.

Ein Highlight erlebten wir am Loch Earn, wo uns bei einer Pause am Straßenrand, ein älterer schottischer Biker ansprach. Ausser „Ay“ (kennt Ihr aus Highländer: „Ay, meine Blume“) verstand ich leider kaum ein Wort. Für ein kleines Benzingepräch reichte es trotzdem, da ich mir nicht zu schade war ca. 20 mal pro Satz nachzufragen, was er denn wohl gemeint haben könne. Der ca. 70 jährige Fireblade (Honda CBR 600) Fahrer blickte neidisch auf meine bequeme Transalp. Seiner Meinung nach sei nun wirklich die Zeit gekommen, wo er seinen Scheiß-Hobel endlich entsorgen solle und lieber auf so eine gemütlich Kiste wie meine umsatteln wolle. Es wäre schließlich echter "Bullshit", wenn er immer vom Motorrad gehoben werden müsse. Die Knie würden das nicht mehr mitmachen und überhaupt. Geiler Typ.

Es zeigte sich einmal mehr, dass die Schotten kontaktfreudiger sind, als die Kölner beim Karneval. Hier wird es dem kühlen Norddeutschen wirklich leicht gemacht ins Gespräch zu kommen. Vor dem Abschied empfahl unser neuer Bikerkumpel noch, dass wir einen Stop am „The Green Welly“ machen sollten. Dies sei DER Bikertreff in Schottland.  Thank you, Sir and Bye, bye.

 

Falls of Dochart

Wir fuhren weiter auf der A85 und bogen rechts in Richtung Falls of Dochhart ab. Die hatte U.Schi als lohnenswertes Ziel im Internet gefunden. Schließlich handelt es sich um einen der schönsten kleinen Flüsse (eigentlich ja sogar die vlt. schönsten Wasserfälle) Schottlands. Ein lohnenswerter Ort um zu pausieren und sich in mittelalterlicher Kulisse zu entspannen. Das in der Karte angegebene „Falls of Dochhart Retirement Home“ muß allerdings nicht zwangsweise angesteuert werden, es sei den ihr seid steinalt und sucht ein heimliges Plätzchen für den bevorstehenden Ruhestand ;-)

The church!

Auch, wenn die Fahrt auf der A 82 über etwas zu große Strassen mit einem sehr spröden Belag
führte, näherten wir uns langsam Glencoe. Allerdings nicht ohne vorher einen richtig tollen Kaffeestop zu machen. Zwei Damen (Donna und Diana) führen in einer umgebauten Kirche ein Kaffee, wo Brote, Scones und sonstige Kuchen hergestellt werden. Mitten auf dem platten Land. Das Ding war gerammelt voll. Mit Schotten. Klein und gemütlich. Alles sehr geschmackvoll hergerichtet, leckeres Essen, guter Kaffee. Ein absoluter Geheimtipp. Bei Google-Maps mit folgendem Suchbegriff zu finden: finden: Country Mumkins At The Artisan Cafe
Facebook: https://www.facebook.com/countrymumkinstyndrum/

Die Highlands - Glencoe

Und dann waren Sie da - Diese mysteriösen Berge und Landschaften. Überzogen mit Heide, teilweise Schneekuppen, karges Land, ein nüchternes Farbspektakel. Schaut Euch einfach die Fotos an, denn die sagen mehr, als ich hier beschreiben kann.

Die Highlands in Schottland, bei Glencoe
Higlandpanorama - Vergrößerbar!

Unsere Photos und die Schilderung der Eindrücke können jedoch nur einen Bruchteil des Live- Erlebnisses wiederspiegeln. Nur vor Ort spürt ihr das Rauhe, Einmalige und Beeindruckende dieser Landschaft.

 

Der Highländer war übrigens nicht mehr da, genauso wie das Haus von James Bond (weil, war ja aus Pappe und wurde nach dem Dreh abgerissen oder verbrannt), auch der Bravehaert schien gerade seinen versyfften Kilt zu wechseln, und konnte uns nicht begrüßen, selbst Harry Potter hat wohl Hogwarts mittlerweile mit Bestnoten abgeschlossen und wohnt in irgendeinem Loft in London. Egal, es war auch ohne diese komischen "Heinis" ein Erlebnis!
Mir ist jetzt auf jeden Fall klar, warum so viele Location Scouts diesen Platz für Ihre größten Filmproduktion auswählen. Die Highlands sind wirklich eine einmalige Naturkulisse mit einer unvergleichlichen Atmosphäre. FAHRT DA HIN!

Zurück über den "The Green Welly Stop" und Gleneagles

The Green Welly Stop
The Green Welly Stop

Auf dem Rückweg machten wir den empfohlenen Stopp im Green Wally und wurden direkt von zwei englischen Buddies aus Manchseter vollgesabbelt. In Schottland werden sogar die Engländer umgänglich ;-) Die beiden waren von Glencoe ebenso verzaubert wie wir und warteten mit einigen Superlativen auf (es fielen Worte wie: incredible, magnificent, wonderfull and many more...). The Green Wally hat übrigens einen riesigen Motorradparkplatz, der davon zeugt was hier an den Wochenenden los ist. Bikerparadies Schottland. Wir versuchten uns bei einer Pizza, div. Kaffee und Cola ein bisschen zu erholen - Schließlich hatten wir noch den ganzen Rückweg vor uns. Dies ist übrigens der Nachteil bei einer Abenteuerreise mit fest gebuchter Unterkunft. Da muss gefahren werden bis die Hände blasen Schlagen und der Hintern eine rosa Farbe annimmt ;-)

 

Der Heimweg gestaltete sich genauso abwechslungsreich und lohnenswert, wie die Hinfahrt.

By the way (wie der Schotte sagt) - Vorsicht vor den Fasanen! Das sind potenzielle Selbstmörder, die ständig auf die Straße rennen, und sich gnadenlos in den Weg stellen. In der Luft liegt ein Hauch von Todessehnsucht. Verrücktes britisches Viehzeug!


Unsere kleine Landpartie führte uns noch am riesigen Gleneagles Komplex vorbei. Dort wo sich eine der weltweit bekanntesten Golfanlagen befindet (Riders Cup) und vor einigen Jahren der G8 Gipfel stattfand. Herrschaftlich und großdimensioniert. Weitere Infos: www.gleneagles.com
Erschöpft und glücklich trudelten wir gegen Abend wieder in Kinross ein. Noch 1-2 Ale an der hoteleigenen Bar und ab ging es ins Bett.

The Backstage Club - Im Green Hotel, Kinross

Backstage Club
Backstage Club

Tipp: Wer nicht zu müde ist geht im „Green Hotel“ in den Backstage Club. Wir haben es nicht geglaubt, mitten in unserem Hotel befand sich ein richtig, cooler Musikclub. Also, im HOTEL! Der Besitzer hatte diverse signierte Gitarren von Jimmy Page bis Jimi Hendrix (?) an der Wand hängen. An die 100 von echten Rockstars unterschriebene Gitarrenschlagbretter zierten die Wände. Rockgeschichte Live. Eintritt wie immer recht teuer. Ambiente: Spitzenklasse (also wenn man auf echte Musikclubs steht)
Infos: The Backstage

Glenshee & Braemer

So, jetzt hab ich nur einen Bruchteil der Erlebnisse geschildert und schon geht es weiter, ein neuer Tag, eine neue hammergeile Tour. Ich beschreibe sie nur stichwortartig, sonst lest ihr euch noch die Augen wund. Wir fuhren nach Glennshee/Braemer dem größten Skigebiet Schottlands.
Ja, Ihr lacht, aber das gibt es wirklich!

Scone Palace

Auf dem Hinweg lohnt sich ein Stopp am Scone Palace (http://scone-palace.co.uk/) ein traditionsreiches Schloß, wo die schottischen Könige gekrönt wurden. Durch ein Tor, das einer Privateinfahrt ähnelt und über einen kleinen Weg, erreicht ihr dieses Schloß. Am Wegesrand werden euch wahrscheinlich Tiere begegnen.
Wenn ihr Euch nicht sicher seid, ob ihr da langfahren dürft/solltet seid ihr vermutlich richtig ;-)

Richtung Glenshee

Ihr könnt die Tour auf der Google Karte verfolgen. Sie lohnt sich. Fahrt diese Tour, wenn Ihr in der Nähe seid. Sie ist ebenfalls toll und bietet kurz vor Glenghee eine sensationelle, enge, hubbelige Kurvenstrecke. Racing Modus an (und das mit der Honda Transalp*lol). Aber Vorsicht, der Straßenbelag ist mitunter "fragwürdig".

Auf dem Berg könnt Ihr in einer Hütte einkehren. Ist schon komisch dort Liftanlagen zu sehen...
Es ist glaube ich überflüssig zu erwähnen, dass wir dort wieder umgehend mit schottischen Bikern ins Gespräch kamen.

Den Rückweg kann man je nach Energie und Abenteuerlust wieder über kleine und kleinste Sträßchen wagen. Abends sind wir dann in Kinross im „The Muirs Inn“ essen gegangen, welches ich gerne empfehlen möchte. Der stilvolle „Schotte“ von nebenan mit sehr leckerem Essen.
http://www.themuirsinn.co.uk/the-restaurant/

Schade, das war es schon...

Schade, das war`s schon. Am nächsten Tag fuhren wir zurück zur Fähre nach Newcastle. Leider ein wenig unter Zeitdruck stehend, konnten wir einige angepeilte Ziele nicht mehr ansteuern (besonders Melrose Abbey). Schade.
Ein tolles Erlebnis hatten wir noch im Stau auf der Autobahn in Richtung Hafen. Wirklich jeder Autofahrer hat Platz für uns gemacht, so dass wir in der Mitte zügig vorankamen.
Warum geht das hier nicht?


Auf der Fähre waren noch diverse total besoffene, verkleidete, enthemmte Gruppen britischer Jungesellen/innen die Ihre Abschiede von der ehelosen Zeit feierten. Alle mit Bildern auf dem Körper, wie bei einer Tattoo Convention. Hooligan Party. Wirkte am Anfang so, als ob 2 Millionen Jahre Knast auf dem Kahn versammelt wären, stellte sich später glücklicherweise als erträglich raus. Die Feiergesellschaften waren zum Glück alle um 23:00 Uhr so voll, das sie ins Bett mußten.

 

Die Rückfahrt von Amsterdam nach Hamburg machten wir in einem Stück und in einem unerbittlichen, permanenten, kalten Regenguss. Zietternd und durchnässt trafen wir gegen Abend zu Hause ein. Unsere Moppeds, die Honda Transalp und Triumph Street Triple machten übrigens mal wieder überhaupt gar keine Probleme. Beide Maschinen sind für ausgedehnte Urlaube wirklich zu empfehlen.
 

Fazit:

Schottland ist nach unserer Einschätzung ein Muss für Motorrad-Reisende. Freundliche Menschen, abwechslungsreiche Touren, wahnsinnige Landschaften. Was wollen wir mehr? Es gibt natürlich in Schottland soviel Raum zu erkunden, dass man sich dort wochenlang aufhalten kann.

 

Uns hat das DFDS Starterpaket jedoch erstmal gereicht. Da kann man viel Schottland in kurzer Zeit kennen lernen. Eins möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen - Schottland ist teuer. Für einen zwei Wochen Urlaub solltet ihr eure Taschen ordentlich mit Geld vollstopfen.

Kommentare und Fragen könnt ihr gerne unten im Formular platzieren.

 

Es war definitiv die schönste Hochzeitsreise die wir jemals gemacht haben! :-D

 

Ach ja, geregnet hat es in Schottland übrigens so gut wie gar nicht...

Tretboot in Seenot - Love & Peace!
Tretboot in Seenot - Love & Peace!
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Schottland:Motorrad 3

Teil 3: Edinburgh - Loch Leven - Raj Mahal

Schotish Breakfast - Schottisches Frühstück

Jetzt werden es doch vier Teile Reisebericht Schottland...Einfach zu viel erlebt.

Es ist ja nun nicht so, dass Schottland / Großbritannien ausschließlich für gutes Wetter bekannt ist. Man sagt dieser Insel doch eine leichte Tendenz zu grauem Himmel und Regen nach...

Nach überstandener Nacht in unserem herrschaftlichen Zimmer schlurften wir, noch müde und ein bisschen erschöpft, zum Frühstück. Das ganze Ambiente im Green Hotel ließ uns erwarten, dass wir hier mindestens mit My Lady und My Lord (oder Sir oder sonstwas) angesprochen werden würden.

Schottisches Frühstück
"Mr Schrek" präsentiert das Frühstück!

Der elfenbeinfarbene Frühstückstraum war großflächig mit einem dicken, hellen Teppich ausgelegt, dass Frühstücksbuffet dafür weniger - wenngleich ich soviel Auswahl in Schottland nicht erwartet hätte. Uns wurde sogleich ein Plätzchen zugewiesen. Uns selbst einen Platz zu suchen wäre hier als Frevel gewertet worden. Das schickt sich nicht im Green Hotel. Mr Schrek (ich nenne ihn mal so) präsentierte uns ein großflächiges Sammelsurium an fettigen Gerichten. Das war dann doch etwas zu viel an diesem Morgen, insbesondere wenn man an das Fiasko des gestrigen Abends denkt. Ich bestellte mir (altersgemäß) ein Schälchen Porridge (Haferschleim), U.Schi startete den Tag mit Toast. Belegt mit feinstem Cheddar, Marmelade, Müsli und Obst. Ich erzähle das nur um euch zu zeigen, dass ein schottisches "Breakfast" viel zu bieten hat – denke aber doch irgendwie immer an Monty Python. Warum nur?

Generell möchte ich mal kurz einflechten, dass es im Green Hotel immer sehr nett war und täglich eine Überraschung auf uns wartete (Kongress der adipösen Schotten, Rockkonzert im hoteleigenen Musikclub etc.).

Edinburgh

Ach ja, das Wetter! Es war massiver Regen angesagt. Mist. Spontan überlegten wir uns, dass wir auf die Motorräder verzichten und uns dafür Edinburgh anschauen wollten. Ein sehr gute Idee. Der Bus fuhr direkt vor dem Green Hotel ab und brachte uns für ein paar Euro in die schottische Hauptstadt.  Auch Busfahrten sind auf Reisen ein gutes Mittel um das Land besser kennen zu lernen. Entspannt und zurückgelehnt genossen wir die Fahrt und bekamen unter Anderem auch die ländlichen Gegenden rund um Edingburgh zu Gesicht. Die Fahrt über die Forth Bridge war dabei sicherlich wieder ein Highlight.

Forth Bridge Edinburgh
Forth Bridge Edinburgh

Edinburgh erobert man zu Fuß. Relativ schnell erschließt sich dem Hobbytouristen, dass der zentrale Punkt das Edingburgh Castle ist. Das liegt auf einem Berg. Wandern ist angesagt. Vorbei am „Scott Monument“ latschen wir Richtung Burg. Über die „Playfair Steps“ überwinden wir einen Teil des Höhenunterschieds und landen letztendlich auf der „Royal Mile“. „Old Town“. So haben wir uns Edinburgh vorgestellt. Geil. Zur Rechten erblicken wir das Schloss. Der Rest sieht sehr alt aus und ist gespickt mit mittelalterlichen Gebäuden. Wir kommen uns fast schon wieder wie in einer Filmkulisse vor.

Zack! Düdelüt! Tröööööööt! - Ein Dudelsackspieler im traditionellen Kilt stimmt heimatliche Klänge an. Umringt von dem einen oder anderen Asiaten, der gerne ein Foto mit ihm machen möchte, spielt der Musikant fröhlich weiter. Es klingelt auch ordentlich in seinem Hut. Mehr wird man pro Stunde wohl auch nicht bei den Berliner Philharmonikern verdienen können. Ich nötige U.Schi sich zu dem Rockträger zu gesellen und so bekomme ich noch ein schönes Foto.

Rund um das Schloss ist natürlich alles voll mit Touristen. Nichts desto trotz kann man den bombastische Rundumblick auf Edinburgh genießen. Toll. In den traditionellen Gebäuden der Royale Mile sind diverse Attraktionen für uns Reisende untergebracht. Natürlich eine Destillerie mit angeschlossenem Spirituosen Geschäft, Souvenir Shops und Kilt Manufakturen. Ein Shop sticht besonders hervor, denn der bietet auf mehreren Etagen alles was das Touristenherz begehrt. Das komplette Trachten Outfit (in div. Clan Farben), Dudelsäcke, Schals, Pullover, Fahnen, Zeug, Kram, Tinnef u.v.m. Ich habe zwar den Namen vergessen, aber der Shop befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Schloss und lässt sich nicht verfehlen.


Den Rest der Royal Mile lassen wir uns selbstverständlich auch nicht entgehen und gucken in so manches Geschäft und die eine oder andere Kirche (die mittlerweile zum Teil für andere Zwecke verwendet werden, wie z.b. als Festivalcenter u.ä.). Diese Bauten...beindruckend und schön.


Da stört selbst der graue Himmel nicht mehr. Grauer Himmel? Wo bleibt der versprochene Regen? Es tröpfelte ein paar Minuten und das war`s. Merke: Die Wettervorhersage taugt nichts und der Regen belästigte uns auf dem Rest der Reise in Schottland so gut wie gar nicht mehr. Der Mai scheint eine gute Reisezeit zu sein.

 

Unsere Route in Edinburgh

Am Ende der Royal Mile biegen wir nach links ab. Jetzt geht es bergab – zum Glück nicht mit uns und so bummeln wir weiter zum Busbahnhof. Erschöpft, aber sehr zufrieden, fahren wir zurück nach Kinross. Sicherlich gibt es in Edinburgh noch so viel mehr zu entdecken, aber vielleicht reicht auch manchmal gerade eine überschaubare Anzahl an Eindrücken. Unsere sind, dass Edinburgh eine wunderschöne, außergewöhnliche Stadt mit starken Kontrasten zwischen moderne und traditionellem ist. Edinburgh sollte bei einer Schottlandreise auf jeden Fall besucht werden und wer schlau ist macht das wie wir mit dem Bus.

Loch Leven

 

Nach einer kurzen Rast in Kinross hörten wir Rufe aus der Garage. Die Triple und die Transalp wollen noch bewegt werden. Wir waren ja zum Motorradfahren hier. Die Runde die wir jetzt drehten zeigte uns viel von dem, was Schottland gerade für Motorradfahrer ausmacht. Wir wollten die Gegend rund um Loch Leven erkunden. Kleine, einspurige Singletracks, hügelige und kurvige Strassen, minimalster Verkehr, kleine Cottages, gelber, blühender Ginster und Schafe, viele Schafe, graue Wolken und blauer Himmel, kühler, frischer, Wind. Das fühlt sich toll an und macht auch rein fahrtechnisch wahnsinnig viel Spaß. Enge Strassen, die wellig und mit gut geschwungenen Kurven verlaufen sind einfach der Hammer, wenn man mit dem Motorrad unterwegs ist. Abschließend machten wir den Törn direkt am See entlang, wurden aber durch wahnsinnige Winde enorm abgelenkt, zumal die Straßen hier schon zweispurig verliefen und man aufpassen musste, dass man nicht auf die Gegenfahrbahn geriet. Eine wirklich schöne kleine Tour. Euch hätte sie auch gefallen.

Raj Mahal - Indisch Essen

Jetzt hatten wir natürlich einen wahnsinnigen Kohldampf , „zitterten“ aber doch etwas unruhig dem Abendessen entgegen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir in jedem Restaurant auf dieser Reise etwas leckeres zu Essen bekommen würden. Da ist Schottland besser, als sein Ruf!
Wir bummelten Richtung Kinross City und wurden von einem bunten Blinklicht angelockt, das auf einen asiatischen Lieferservice hinwies. Asiatisch Essen – Das wär`s jetzt. Wir schauten einfach mal durch das Fenster und stellten fest, dass es sich hier gar nicht um einen Lieferservice, sondern um ein Restaurant handelte. Das „Raj Mahal“ ist eine der besonderen Empfehlungen für euch, falls ihr auch diese Kurztour mit DFDS Seaways unternehmt. Es empfing uns ein gepflegtes, modernes Ambiente. Äußerst nette Kellner wiesen uns in die Speisekarte ein. Wir wählten, wie fast alle schottischen Besucher auch, das Büffet. Einmal bezahlen, viel Essen. Um es kurz zu machen: Alle Speisen waren toll gewürzt, das Ganze wirkte wie eine kulinarische Reise durch Indien. Wahnsinnig lecker, teilweise auch wahnsinnig scharf. Vortisch, Hauptgerichte, Nachspeise. Moderate Preise. Einfach prima. Auch hier kamen wir direkt wieder mit netten und offenen Schotten ins Gespräch, die Tipps gegen die Schärfe gaben (Cucumber!). Sind die Schotten am Ende die Kölner Großbritanniens?

Wow, das war wieder ein Tag vollgestopft mit Eindrücken ud Erlebnissen, einer richtig schönen Motorradtour und einem unglaublich leckeren Essen. Müde, ab ins Bett!

Das nächste Mal, im letzten Teil, geht es dann tatsächlich in die Highlands nach Glen Coe.
Das wird toll!
Bis dahin könnt ihr ja noch ein wenig in den Links stöbern oder hier Kommentare hinterlassen

Links

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Schottland:Motorrad 2

Teil 2: Amsterdam - Newcastle upon Tyne - Kinross

Schottland harry potter hogwarts

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, wir standen vor der „Princess Seaways“, eine riesige Fähre die ihren dicken, stählernen Bauch für uns öffnete (geile Formulierung, oder? ;-) ).
Die Überquerung der Nordsee mit dem Schiff solltet ihr euch bei einer Motorradreise nach Schottland nicht entgehen lassen!
Die Route: Amsterdam/Ijmuiden – Newcastle (Upon Tyne).

 

Ich hatte schon im Vorfeld meine Bedenken bezüglich dieser Überfahrt angemeldet. Dabei ging es nicht so sehr um uns, sondern eher um die Bikes. Ich hatte absolut keinen Plan, wie man die Kisten in so einem Koloss befestigen soll. Die Nachfrage in einigen Foren und direkt bei DFDS ergab, dass ich mir keine Sorgen machen solle. Gut. Man gab mir ferner den Tipp, dass Mopped an verschiedenen Punkten zu befestigen (Forum) und mir bei Bedarf Hilfe, bei dem dafür zur Verfügung stehenden Schiffspersonal, zu besorgen (Rederei).

Kabinentoilette auf der Princess Seaways
Soll ich hier duschen, während ich auf dem Klo sitze!?

Wir fuhren guter Dinge auf die „Princess“  und wurden unverzüglich von einem engagierten Helfer getrennt. Die Triumph bitte nach rechts und die Transalp nach links. Mein wildes Gestikulieren wurde ebenso wenig wahrgenommen,  wie meine direkte, vehemente Ansprache ("Ey"!!!), dass wir zusammen gehören würden. Hier zählte nur das Wort des befehlhabenden Einweisers. Um es kurz zu machen: Mein Mopped konnte nicht gut befestigt werden, da ich den schlechtesten Parkplatz auf dem Schiff, ohne Ösen und sonstwas, bekam. Mein Nervenkostüm lag blank, zwischen mir und meiner Frau standen zwei riesige LKW und die versprochenen Helfer hatten noch nicht mal ansatzweise Interesse Hand anzulegen. Letztendlich zurrte U.Schi die Kiste dann irgendwie fest und völlig verschwitzt schleppten wir die  gefühlten 1.000 Kilo Gepäck zu unserer Kabine. Puh.

Die Kabine war zwar ein kleiner Miniraum, mit elegantem Kunstoffbad, aber überraschenderweise urgemütlich. Wir haben uns da wirklich wohl drin gefühlt, obwohl sehr eng und wenig luxeriös. Das sanfte Wiegen der Wellen, Meeresgeräusche und ein gutes Bett sorgten für eine sehr angenehme Überfahrt, an die wir immer noch gerne zurückdenken. Ansonsten werden diese DFDS Liner allerdings auch als Partyboote mißbraucht. Hierzu mehr, wenn wir uns der Rückfahrt widmen.

Los geht die Fahrt!

Das Auslaufen genießt man natürlich an Deck, bei einem kühlen Bier und guter Livemusik. Hier exzellent vorgetragen von einem Engländer mit seiner Akustikgitarre, der von Johnny Cash bis Robbie Williams allerhand Pop- und Rockklassiker im Programm hatte. Guter Mann! Ein letzter Blick auf die wunderbaren und dampfenden Industrieanlagen von Ijmuiden und schon ist man auf dem offenen Meer. Und was macht man auf so ner Fähre? Erkunden des Schiffes, Besuch im Duty Free Shop, Essen, Bier, aufs Meer gucken und sich den Wind um die Ohren pusten lassen, schlafen. Wir hatten noch das besondere Glück, daß eine Gruppe jugendlicher, französischer "Pubertätsopfer" der Überfahrt beiwohnte. 100 Chaoten, die ständig über alle Treppen wuselten, nicht wussten wo sie hin sollten und für eine gewisse Unruhe, die an eine Ameisenkolonie erinnerte, sorgten. Pickelalarm!
Irgendwie auch ganz amüsant.

Tipp:
Essen: Die Restaurants auf dem Schiff sind ziemlich teuer. Hier empfehlen wir entweder vorher etwas zu essen oder sich einen Snack mit an Bord zu nehmen. Das Frühstück solltet ihr allerdings nicht auslassen. Das ist lecker und reichhaltig.
Schlafen: Wir haben eine Außenkabine mit Doppelbett gewählt. Gut, da Bullauge und freie Sicht auf die Weltmeere!
Zusatzkosten für Kabine und Frühstück €29,00 pro Person.
Parken: Es gibt meherere Parkdecks. Wenn man in der ersten Reihe vor dem Boot parkt, landet man im Unterdeck. Hier gibt es selten perfekte Festzurrmöglichkeiten. Im oberen Deck lässt es sich entspannt am Rand parken, wo jede Menge Ösen etc. vorhanden sind. Ach ja, Zurrgurte waren vorhanden.

England!

Newcastle
Newcastle!

Land in Sicht! Blauer Himmel empfängt uns, als wir Englands Ostküste erblicken. Schon der erste Blick auf Newcastle ist beeindruckend. Das ist nicht nur England, das sieht auch so aus! Die Vorfreude wächst und wir wandern ins Schiffsinnere, um unser Gepäck zu verstauen und die Motorräder startklar zu machen. Ausgeschlafen und satt beginnt unser Schottland Abenteuer mit einem „unüberfühlbaren“ Magenkribbeln.
Stichwort: Linksverkehr

 

Keine Angst, so schlimm ist das alles gar nicht. Im Grunde muß man ja „nur“ links fahren, das Gehirn sozusagen umdrehen. Nichts leichter als das. Und so starteten unser ersten Meilen auf britischem Terrain mit den berühmt, berüchtigten 5-10 Kreisverkehren, um aus Newcastle herauszukommen. Dank der gnadenlos, genialen Führung durch den Roadchief (U.schi) fanden wir problemlos den Weg auf die A189, später A1068 Richtung Alnwick, dem ersten Highlight.

Tipp
Autobahnen: Diese sind auch in England/Schottland doof. Wenn irgendmöglich auf kleine Straßen ausweichen!

Sorry, where is Harry Potter?

 

Nach einer entspannten Fahrt über raue englische Straßen, die uns einen ersten Eindruck von der Insel vermittelte, landeten wir in Alnwick. Das Schloss war leicht zu finden, da gut ausgeschildert. Der ausgesprochen freundliche Parkplatzwächter (...doch nicht alle Hooligans) wies uns umgehend zwei erstklassige Parkplätze in seiner Sichtweite zu. So hätte er die Maschinen im Blick. Super! Parkticket? Braucht ihr nicht, kostet nichts. Das war so nicht erwartet, aber natürlich gut. Unser erster Blick fiel auf ein imposantes Baumhaus. Eingebettet in die Natur, befand es sich am Rand des Parkplatzes. Tolles Ding!

Aber deswegen waren wir ja nicht da. Ich sage mal: "Hogwarts..." Na, klingelt`s? Alnwick Castle diente in den ersten beiden Harry Potter Filmen als Kulisse der Hogwarts Zauberschule. Zauberhaft war allerdings auch der Eintrittspreis in Höhe von 14,00 Pfund (p.P.), was umgerechnet ca. 20,00 Euro sind. Uns war das zu viel, aber man ließ uns trotzdem gewähren und einen Blick auf das Gelände außerhalb des Schlosses werfen. Das ist absolut lohnenswert, da die ganze Anlage unheimlich gepflegt und sehenswert ist. Harry Potter war komischerweise nicht da. Ein Besucher sah zwar aus wie Ron Weasley, war es dann aber doch nicht. Und so fuhren wir nach einem Tässchen (italienischer ILLY) Kaffee weiter nach Rosslyn.

Triumph und Transalp am Wegesrand in England
Kleine Rast am Wegesrand (England)

Rosslyn Chapel

Rosslyn Chapel
Rosslyn Chapel - Bekannt aus dem "Da Vinci code"

Die weitere Fahrt war schön, aber nicht spektakulär. Nach einigen kleinen Umwegen fanden wir dann doch noch  Rosslyn Chapel.
Dieser magische Ort, wo der „Da Vinci Code“ sein Ende fand. Ich wollte gerade nach dem heiligen Gral greifen, als ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ich ein nicht unerhebliches Sümmchen zu entrichtren hätte, wenn ich mir diesen Ort näher anschauen wollte. Da Tom Hanks nicht da war, der Eintritt erneut recht sportlich war und wir ja noch nach Kinross fahren mussten, verzichteten wir auf eine nähere Inspektion des Gebäudes. Mit mehr Zeit wären wir jedoch sicherlich länger an diesem Ort verweilt.

Tipp
Route: Hier gibt es sicherlich bessere Routen z.B. durch den Nationalpark Northumberland, Richtung Jedburgh, Melrose Abbey.

Richtung Edinburgh

Scotland welcomes you
Scotland welcomes you - Wir sind da!

Rosslyn/Roslin liegt ca. 11km vor Edinburgh. Da mußten wir hin und durch. Ich weiß nicht mehr wie, aber das gelang uns ohne größere Probleme. Markant, weltberümt und wirklich beeindruckend ist die Forth Road Bridge, die übrigens über den "Firth of Forth" führt. Sie verbindet Queensferry South mit Queensferry North (ach...). Dies nur am Rande erwähnt. Es gibt hier wohl einen Parkplatz von dem man tolle Fotos schießen kann. Wir haben ihn verfehlt. Schade.
Um aus Edinburgh herauszukommen fuhren wir ein Stück auf der M90. Da wir schon ziemlich kaputt waren mußten wir auf der Autobahn bleiben. Als wir von der Autobahn abfahren konnten wurde es endlich typisch schottisch. Rauher, sehr körniger Strassenbelag, enge Straßen, kleine Hügel, Schafe (und Schafe und Schafe), blühender, gelber Ginster. Ja, so sollte das sein.

Schottlands Willkomensgeschenk ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Unvermittelt fing es an, wie aus Kübeln zu schütten. It`s raining cats and dogs! Oh no! Gerade wenn man schon ziemlich erschöpft ist nervt das ungemein. Reinpulen in die, irgendwie immer zu enge, Regenkombi, links fahren ohne Sicht, beknackte Autofahrer. Ach, ihr kennt das...
Aber wie so oft in diesem Urlaub sollte der Regen nicht von Dauer sein. Erschöpft fuhren wir in Kinnross ein, wo wir problemlos unsere Heimat für die nächsten Tage fanden: Das Green Hotel

The Green Hotel

Wie ihr vielleicht an den Bildern erkennen könnt, wäre das Green Hotel sicherlich einen Extra Bericht wert. Wenn ihr auf skurrilen, schottischen Charme steht, müßt ihr diese Anlage selbst besuchen.
Da kommt man sich vor, als ob Monty Python einen Themenpark gebaut hätte.

Bis jetzt dachte ich immer, mein Englisch sei gar nicht mal so schlecht. Die Begrüßungsworte der netten, rothaarigen, sommersprossigen Rezeptionistin sausten jedoch unverstanden an mir vorbei. Hä? Ich dachte in Schottland spricht man Englisch!? Naja, ein paar Brocken kamen doch durch und so fragte ich, wo denn die Garage sei. Wir hatten ja das „Motorradpaket“ gebucht. Wir wurden dann zu einer absolut geilen Rumpelkammer mit hölzener Schiebetür (knirsch und quietsch) geschickt, worin sich allerhand altes Zeug befand. Köstlich. Die Moppeds verstauten wir trotzdem in diesem minimal gesicherten Verlies (welches aber in den nächsten Tagen aufgeräumt wurde).

Nach kurzem Zimmertausch (wg. übelem Geruch) und Klamottenwechsel (ebenfalls wegen übelem Geruch), stellte sich ein massiver Hunger ein. Weil wir schlau sind gingen wir im hoteleigenen italienischen Restaurant essen. So liefen wir keine Gefahr mit dem schottischen Nationalgericht Haggis (Schafsmagen mit Innereien) in Berührung zu kommen. Bei Pizza&Pasta kann man ja wohl nicht viel falsch machen? Kann man doch! Sowohl Pizza, als auch die Nudeln Carbonara waren  schrecklich gewürzt (oder sonstwas). Subjektiv gesehen ungenießbar. Überhaupt war die ganze Szenerie in diesem Restaurant für uns äußerst skurril.  Viel Teppich, viel Schottenmuster, lustige Bedienungen, die etwas unbeholfen wirkten, gutes Carling Bier.
Ich kann jedoch jetzt schon sagen, dass der Rest der Reise kulinarisch völlig in Ordnung war.

 

Trotz der ersten zweifelhaften Essenserfahrung, waren wir schon jetzt ganz und gar von dieser Reise begeistert. Tolle Natur, viel zu Sehen, sehr nette Menschen. Wir freuten uns schon gespannt auf die nächsten Tage unserer Reise.

Für Euch zum Stöbern:


DFDS - Zu den Schottlandreisen (keine Werbung!)

Alnwyk Castle
Forth Bridge

Rosslyn Chapel

Green Hotel



Lest in Teil 3:
Edinburgh - Rund um Loch Leven -  Essen im Raj Mahal
Hier geht`s zu Teil 3


Unsere Route

Geändert am 18.11.2015/17:29 Uhr

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Schottland:Motorrad

Teil1: Hamburg (Buchholz) - Groningen - Ijmuiden

Ein Reisebericht zu unserer Ausfahrt im Mai:


Endlich geht es wieder los! Die Motorradreisesaison hat für uns begonnen. Und es wartet ein besonderes Highlight auf uns: Schottland!
Ein Traum von U.Schi und mir, zugleich unser Honeymoon, unsere Hochzeitsreise. Ich sagte mir: "Drum prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Besseres findet?" Beantwortete die Frage mit: "Nö, findet sich nicht!" Und so ging es im frischen, kühlen Mai los.

triumph street triple gepäck
Die Streetie vor der Abfahrt

Wir hatten die Reise schon Ende letzten Jahres gebucht, da es sich um ein Schottland-Schnupper-Kennenlern- Angebot der Fährlinie DFDS Seaways handelte. Fährtransfer von Amsterdam nach Newcastle (und zurück), schlafen in einer muckeligen Kabine, dazu 4 Tage Übernachtung mit Frühstück (also British/Scotish breakfast), im Green Hotel in Kinross. Der Spaß kostete lächerliche 892 Euro für uns zwei. Eigentlich ganz ok, aber mit den ganzen Nebenkosten hätten wir im Endeffekt auch 3 Wochen Moppedurlaub z.B. in Tschechien machen können (und wir haben die Woche ganz sparsam verbracht). Großbritannien ist wirklich teuer, aber wir wollten ja unbedingt nach Schottland!

 

Weil das Ganze eine gemütliche Reise werden sollte peilten wir einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Groningen an. Und so startete unsere Reise an einem kühlen Morgen im Mai.

Plattes Land

Die Koffer gepackt, die Maschinen geölt und los ging es in Richtung Groningen. Natürlich nicht über die Autobahn, sondern über Bundes- und Landstraßen (aus ca. Hamburg) Richtung Bremerhaven und von dort durch den Wesertunnel, Ostfriesland (äh, warum haben die Ostfriesen alle Beulen am Hinterkopf? Weil ihnen beim Trinken der Klodeckel auf den Kopf fällt! Haha, sehr witzig!), über Varel, Wiesmoor, Leer, nach Groningen .
Wir fuhren wie gesagt ausschließlich über Land und das war wirklich flach, kaum Kurven, keine Erhebungen. Platt, wie ne Flunder. Trotzdem verhältnismässig schön (oder sagt man interessant?), aber extrem windig. Zum Teil haben wir uns eher wie Surfer gefühlt, so sehr hat die „steife Brise“ geblasen.

Groningen

In Groningen angekommen war es kein Problem unser vor Reiseantritt gebuchtes Hotel zu finden.
Dies hatte den vertrauenerweckenden Namen Postillion.
Wer nun das gleichnamige Satiremagazin kennt kann sich vorstellen, welche Gedanken sich in unseren Köpfen einnisteten. "Ob das alles gut gehen würde?" Nein, das tat es nicht!

Der Postillion in Groningen
Der Postillion - Echt witzig!

Geschickterweise hatten wir das Hotel falsch gebucht, nämlich einen Tag früher. Ups. War aber kein Problem, der Bunker war eh nicht voll und so bekamen wir ein Zimmer. Was uns jedoch ziemlich ärgerte war die unfreundliche junge Dame am Tresen. Versteckt hinter einer attraktiven Erscheinung, entpuppte sich das "Meisje" als wahre Ziege. Wir mussten selbstverständlich beide Nächte bezahlen, da könne man nun wirklich nichts machen (klar, rechtlich ist das ok, wenn man jedoch nett wäre, könnte etwas Skonto gewährt oder ne Runde Bier geschmissenen werden oder so...). Die Dame ließ uns auch unsere Koffer, Helme, Taschen etc. ewig lang bis zum Zimmer schleppen. Wie sich später herausstellte hätte sie uns auch einen (Hotel-Schiebe- Gepäck-) Wagen zur Verfügung stellen können. Danke Frau Antje oder wie immer Du heißen magst!?
Das Zimmer selbst war jetzt auch eher mittel und 70er Jahre mässig. Zum Beispiel waren am nächsten Morgen die Scheiben beschlagen und klitschnass. Ach ja, und der Postillion war keineswegs direkt in der City von Groningen, sondern eine gute Bus-Halbe-Stunde entfernt. Die nette Dame an der Rezeption verriet uns allerdings nicht, dass der Bus nur 1 Mal pro Stunde fährt, woraufhin wir (nach einem 15 minütigen Spaziergang vom Hotel zur Bushaltestelle) dort noch 55 Minuten mit warten verbringen durften. Danke Frau Postillion - Sie machen Ihren Job echt dufte. Kaaskopp!!!
Zum Glück hatten wir noch ein Becks auf Tasch`, das uns die Wartezeit verkürzte.

Groningen selbst ist wohl eine Reise wert, kann man sich anschauen. Hat Charme und nette Kneipen, Restaurants und einen wahrscheinlich typisch holländischen Stadtkern. Wir bummelten umher, (es war gerade ein Riesenjahrmarkt in der Innenstadt), prüften, ob holländische Mc Donalds genauso sind wie deutsche und landeten letztendlich in einer sehr gemütlichen Kneipe, wo wir bei 2-3 Jupiler den Abend ausklingen ließen. Hier stellten wir fest, dass auch Holländer nett sein können.

Richtung Fähre - Amsterdam/Ijmuiden

Wenigstens das Frühstück im Postillion war ok und keine Satire. Dafür hatte sich meine Transalp einen kleinen Spass ausgedacht. Ich bin das erste mal mit einem Navi gefahren. Dies habe ich zum Laden am Mopped gelassen. Folge: Batterie fast leer. Wie kann denn so etwas sein!? Auf dem letzten Zacken ist das gute Stück dann doch noch angesprungen und das Navi für den Rest der Reise in der Gepäckrolle verschwunden. Tschüss Postillion - Auf nimmer Wiedersehen

Käse aus Holland
Käse, was sonst!?

Von Groningen machten wir uns Richtung Küste auf. Zeit genug hatten wir ja. Wir mussten an diesem Tag lediglich ca. 200Km durchs holländische Flachland cruisen.  Wie am Vortag war es wieder unheimlich windig, es schien jedoch die Sonne. Gut so Sonne! Vorbei an Leeuwarden fuhren wir auf der E22 auf den Afsluitdijk (Damm), der ca. 35 Kilometer über das Ijsselmeer führt und ganz beeindruckend ist (von Zurich nach Den Oever, wer es bei google maps o.ä. nachgucken möchte).
Weil wir, besonders in Person von U.Schi, sehr schlau sind, verliessen wir die Haupt- und Schnellstraßen und tuckerten über kleine Sträßchen und Dörfer an der Küste entlang Richtung Amsterdam. Das sind die besonders schönen Momente unserer Reisen. Langsam fahren, die Landschaft wahrnehmen. In Ruhe gucken, riechen und sich an der Reise, uns und dem Motorradfahren erfreuen.
Wenn auch künstlich angelegt, so passierten wir diverse riesige Blumenfelder. So etwas gibt es doch gar nicht!? Millionen von bunt angeordneten, blühenden Blumen. Eine Farbenpracht, die Ihresgleichen sucht. Wir waren so beeindruckt, dass wir vor Freude gar kein Foto gemacht haben ;-)
Wenn auch eine (wahrscheinlich ökologisch sehr bedenkliche) Monokultur, dann aber eine sehr schöne und für das Auge und Herz besonders beeindruckende. Trotzdem merken: Dies ist eine künstliche Blumen-Welt, die ist nur ein bisschen echt.

DFDS Seaways

Schottlandfähre in Ijmuiden
DFDS Princess Seaways

Die letzten Kilometer mussten wir dann doch auf der Autobahn machen. Mit „Gefühlsnavi“ - gefährlich! Der Hafen von Amsterdam liegt nämlich ca. 40km außerhalb der Stadt und heißt Ijmuiden. Man kann sich ja quasi überall verfahren, bei uns ging es dankenswerter Weise und mit etwas Glück noch einmal gut.
Rechtzeitig kamen wir im Hafengebiet an, sahen diverse andere Biker die nach Großbritannien wollten und aßen noch eine Portion schmierige Pommes vom Holländer nebenan. Schöne Hafenatmospäre.
Ab durch die Passkontrolle, Tickets abgeholt und neben der Fähre in die Moppedreihe gestellt. Wegen Eurer Tickets müsst Ihr Euch übrigens keine Sorgen machen. Wir haben alles übers Internet gebucht und ich musste nur unsere Persos vorzeigen, woraufhin ich direkt unsere scheinbar schon vorbereiteten „Boarding-Pässe“ in die Hand gedrückt bekam.
Hierzu musste ich noch nicht einmal das Bike verlassen.

Man, ist das alles aufregend.


Tipp: Wenn ihr durch Holland fahrt solltet ihr Autobahnen und Nationalstraßen meiden. Nehmt euch die Zeit und tuckert übers Land. Hier und da werdet ihr über kleine, malerische Dörfer stolpern, an kleinen Bächen und Flüssen entlang fahren und etwas vom Land sehen. Das lohnt sich.

Lest im zweiten Teil: Die Überfahrt, die ersten Meter im Linksverkehr, ein Besuch bei Harry Potter und dem Da Vinci Code, richtig nass werden in Schottland und Ankunft in Kinross

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