Italien/Piemont - Teil 1

Abfahrt


Yeaaaaaaah! Es geht wieder los! Urlaub machen wird komischerweise nie langweilig.  Nach einem weiteren norddeutschen Horrorsommer geht es ab nach Italien. Genauer gesagt ins Piemont (nähe Turin), da wo Claudia Bertani für Mon Cherìe die berühmte Piemont Kirsche erntet, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.

 

Der Road Chief (Uta) hatte die Tour geplant und so mussten wir nur noch unseren Bulli mit den beiden CRFs und dem restlichen Krempel, den man so für eine Ausfahrt benötigt , beladen. Die klappbaren Spiegel und die neue Rampe erleicherten die ganze Sache doch ungemein und ab ging die wilde Fahrt Richtung Süden.

 

Einen ersten Stop hatten wir am Bodensee geplant, da wir keinen Bock hatten die Strecke in einem Rutsch durchzufahren. Wer kommt schon gerne völlig gerädert am Urlaubsziel an?! Bis Lindau lief auch alles super, die A1 war frei und wir entspannt. Halt! Das ist doch viel zu einfach!

Der Campingplatz in Lindau war rappeldicke voll und man schickte uns nach Österreich, ins benachbarte Bregenz. Na gut, auch das. Das Campingareal ist groß, ein bisschen trashig und die Getränke teuer (Flasche Wasser im Kiosk € 3,20).  Nach einem kleinen Imbiss ging es in unser betagtes Zelt. Der Road Chief bestand auf die Matratze, was sich im weiteren Verlauf der Nacht als Fehler herausstellen sollte. Es schüttete, wie aus Eimern. So doll, dass es im Zelt nass wurde und DAS ist wirklich ungünstig. Matzratze nass, Füsse nass, Kopf nass, alles scheisse!

Mit dicken Augen und jeder Menge Wut im müden Körper packten wir schnell unseren Kram (gegen 06:00 Uhr morgens) zusammen und fuhren Richtung Turin, um am Nachmittag das Ziel in Salbertrand, den Camping Gran Bosco, zu erreichen.

Webseite: www.campinggranbosco.it

Dieser Campingplatz in der Nähe von Bardonecchia ist ein beliebter Treffpunkt für Enduro- und Strassenmotorradfahrer aus ganz Europa, aber auch Offroader auf vier Rädern wählen den Gran Bosco als Basisstation. Grund: Von hier erreicht man direkt viele tolle und berühmte Schotterpässe.

Wir platzierten den Bulli neben zwei Motorrad Kollegen, die mit ihrem Sprinter angereist waren. Wie sich herausstellte kam das Vater-Sohn Gespann ebenfalls aus Norddeutschland und erkundete die Gegend mit einer 125er Beta und einer alten BMW 80 GS. Eine gelungene Kombi. Bei Pizza und Bier erfolgte ein regelmässiger Ausstausch über die gefahrenen Touren, erlebten Abenteuer und Pläne für die weitere Reise (Grüße an Euch, falls ihr das lest). Endurowanderer sind halt ein nettes Völkchen.

Preis für`s  Campen (pro Nacht): ca. € 25,00 für 2 Menschen, 1 Bulli, 2 Honda CRF250L
Sehr moderate Pizza Preise: € 4,50 - € 7,50 für normal belegte Pizzen (alle lecker!)

Colle delle Finestre - Assietta Kammstrasse - Monte Jafferau


Colle delle Finestre

Enduro Spezialisten freuen sich schon, wenn sie diese Namen nur hören. Gerade die Assietta Kammstrasse (eine alte Militärroute) ist äusserst beliebt und bekannt. Nicht nur unsere Bibel „Der Denzel“, sondern diverse Berichte anderer Endurofahrer, stellen diese Strecken als absolut lohnenswerte Ziele dar.

Über Susa biegt man am Ortsausgang rechts Richtung „Colle della Finsestre" ab. Auf einer asphaltierten Strasse geht es jetzt über etliche (mehr als 30!) Kehren durch ein wunderschönes Waldgebiet Richtung Finestre. Langsam wird die Strecke zur Schotterpiste. Diese ist bis auf ganz wenige kurze Passagen auch leicht zu fahren und stellt keine großen Herausforderungen da, wenngleich es in der einen oder anderen Kurve, aufgrund des Gerölls, recht rutschig werden kann. Die Strecke zum Finsestre sollte auch mit größeren Moppeds keine Probleme bereiten.

Uns überholen immer wieder die geilsten, alten Honda und Yamaha Enduros aus den 80zigern, weil wir langsam rumtuckern und häufig stehen bleiben, um die hammermässige Aussicht zu geniessen. Muss man ja auch als Nordlicht, so selten wie wir Bergpanoramen sehen.
Am Gipfel angekommen treffen wir die italienische Oldtimer Gruppe wieder. Nette Leute, die gleich „Bon giorno“ sagen und unsere CRFs begutachten.

Sogar der Giro d`Italia ist über den Finestre gefahren. Radprofis auf Schotter? Komisch! Egal, Danilo de Lucca hat seinerzeit gewonnen, was durch eine imposante Skulptur festgehalten wurde.
Eine toller Berg und schöner Start - Höhe 2176 Meter

Assietta Kammstrasse


Mit endorphin gefüllten Körpern rollen wir auf der asphaltierten Abfahrt, Richtung Assietta Kammstrasse. Nach ca. 2,5 km biegen wir rechts in den Schotterweg ein. Kann man eigentlich kaum verfehlen. Von nun an tuckrern wir gemütlich und leicht steigend, über 35 km auf der sandigen Piste. Postkartenmotive soweit das Auge reicht.


Tipp: Infos (über aktuelle Verbote u.ä.) - www.stradadellassietta.it/tedesco/

 

Auf dem Colle dell’ Assietta (2472 m) trifft man sie alle wieder. Hier werden die Fotos gemacht. So auch wir. Einfach schön hier oben. Ich fühle mich bei solchen Touren immer mehr als Wanderer und nicht so sehr wie ein Motorradfahrer. Endurowandern halt. Eins mit der Natur sein. Gucken und genießen.
Einige Kilometer später machen wir die verdiente Mittagspause in einer kleinen „Auberge“, an einem  Bergsee, wo uns ein äusserst netter Freak Torta chocolata (Schoko-Kuchen) und einen Cappucchino kredenzt. Alles bezahlbar.
Mit leichter Luftarmut geniessen wir hier das Bergflair und fahren seelig die Abfahrt  Richtung Campingplatz.

Monte Jafferau


Ein schöner Tag hätte hier mit einem enstpannten Nachmittag auf dem Campingplatz enden können. Aber nicht mit uns! Wir fuhren einfach daran vorbei und suchten den Einstieg zum Jafferau. Ein weiterer, ziemlich bekannter Pilgerpfad für Enduristen.


Circa zwei Kilometer nach Salbertrand muss man links zum Jafferau abbiegen. Der ist nicht ausgeschildert, die angegebene Richtung ist Exilles. Nun windet sich ein kleines Asphaltsträßchen bergauf. Über ca. 20 Kilometer und zum Teil sehr ausgespülte Wege, mit massiv losem Schotter gelangt man zum Tunnel von Seguret (Galerie del Seguret). Schilder in diversen Sprachen weisen darauf hin, dass dieser Tunnel nicht mehr befahren werden darf. Akute Einsturzgefahr! Mit freundlichen Grüßen vom Oberbefehlshaber des Militärs. Oh.
Man erzählt sich, dass vor dem Eingang diverse dicke Felsbrocken und sandiges, loses Geröll aufgeschüttet wurden. Ein ca. 30cm breiter Spalt soll jedoch zwischen den Steinen verblieben sein. Vielleicht könnte man ein kleines Motorrad da rüber heben? Egal, ist ja verboten...

Eine Frage bleibt bestehen: wieso hat man hier nicht ein verschlossenes Tor oder ähnliches angebracht hat, wenn man keine Tunnelbesucher wünscht?

Die Auffahrt zum Tunnel lohnt sich allemal, auch wenn man dort umdreht und wieder herunter fährt.


Wir sind natürlich nicht durch den Tunnel gefahren, sondern "beamten" uns auf die andere Seite. Eine eher langweilige Geschichte-kennt ihr ja aus Raumschiff Enterprise und so.
Srrrr, blink, blink und man ist auf der anderen Seite, also da wo man hin will...

Von unserem neuen Startpunkt führt eine schöne Schotterpiste auf den Monte Jafferau. Wechselnde Beläge von einfach bis „huch, was is dat denn jetzt“!? Mit Strassenmaschienen würde ich die Piste nicht fahren, geübte GS, Africa Twin u.ä.  Fahrer können das wohl und machen es auch.

Diverse Forts säumen die Piste und wir sind schon echt kaputt, als wir den Gipfel erreichen, werden aber einmal mehr durch eine Wahnsinnsaussicht belohnt. 2.800 Meter. Wow! Das ist eine Gegend für Naturfreaks. Echt schön! Ausser einem Radfahrer treffen wir hier niemanden.

 

Jetzt müssen wir ja „nur“ noch schnell runter fahren...Wir sind schon ziemlich naive Norddeutsche. Wir wählen die direkte Abfahrt, die (so genannte) Skipiste. Für uns war das mit das Härteste auf zwei Rädern, was wir bisher gemacht haben. Der Spaß ging mit ein paar engen Kehren los, die mit wunderbaren und extra lockeren dicken Steinen gespickt waren.

Hier kreierten wir auch den "Satz des Urlaubs": Vorsicht, ein Stein! - Was natürlich völlig absurd war, weil der ganze Urlaub aus kleinen, großen, spitzen, runden, sandigen, riesigen, doofen, schönen und dämlichen Steinen bestand.

Prima, wenn das Mopped nur noch rutscht und es einem ständig das Vorderrad verschlägt. Locker bleiben! Ohne die Kehren wurde es wesentlich steiler und sandiger. Klötter, klötter, die CRFs rutschen sich durch das Gelände. Hammerhart. Keine Schwäche zeigen, das merkt der Berg! Lächeln und ruhig atmen. Was soll man auch sonst machen, wenn weder die Vorderbremse, noch die Rückbremse noch der erste Gang das Motorrad wesentlich verlangsamen oder gar zum Stillstand bringen. Arschbremse? Nö, keine Lust. Also Augen auf und durch.

Im Endeffekt haben wir es geschafft. Wir waren kaputt und auch ziemlich zufrieden mit uns. Mit Mut, Ruhe, einem kleinen Paket an Enduro Vorwissen (bzw. Training) und Technikkenntnissen funktioniert so etwas auch. Keiner ist hingefallen (wie übrigens während des ganzen Urlaubs nicht) und ich bin echt stolz, wie kernig meine Frau ist. Ich habe ja längere Beine, die ich als Stützräder gebrauchen kann, sie nicht!
Die Honda CRFs sorgen wirlich für Abenteuer, ob man das will oder nicht...
Generell kann ich euch in diesem Zusammenhang noch sagen, dass der Anteil an Frauen, die sich auf Schotterpisten trauen, scheinbar minimal ist. Vielleicht 1:50 (eine Frau/50 Männer) nach unseren Beobachtungen. Also los Frauen: Das macht richtig Spaß ;-)

Ach ja, Fotos gibt es von der Abfahrt nicht-da war wirklich vollste Konzentration gefragt.
Völlig kaputt, ausgelaugt, muskelschwach und müde kamen wir am Abend wieder auf dem Zeltplatz an. Pizza und Bier – das war alles was an diesem Abend noch ging.

Ein Regentag


Col de L`Echelles

Der nächste Tag ist echt nervig, denn es regnet, regnet, regnet. Dafür fahren wir doch nicht extra nach Italien!!!???
Am Vormittag machen wir eine kleine aber schöne Tour über den Col de L`Echelles, und den Colle de la Scala, Aussergewöhnliche Landschaften präsentieren sich uns. Die Gegend erinnert ein wenig an "Hobbitland"  - glatt, grün, steinig. Es wir uns trotzdem zu nass. So verbringen wir den Rest des Tages im Bulli und hängen ab, schonen die müden Knochen.
Morgen soll das Wetter wieder gut sein – es wartet der Sommeiller auf uns.

Col de Sommeiller


Wirklich hoch- Der Sommeiller

Der Col de Sommeiller ist mit 3000 Metern Höhe eigentlich der höchste legal befahrbare Pass der Alpen. Also fast (siehe: de.wikipedia.org/wiki/Col_de_Sommeiller) . Egal, auf jeden Fall genau das Richige für uns. Nach unseren schönen, aber auch grenzwertigen Erfahrungen am Jafferau und Co sind wir schon enorm auf diese neue Herausforderung gesapnnt.
Die Sonne zeigt Ihr schönstes Gesicht und die CRFs sind nach dem Regentag extrem heiß auf Schotter & Co.


Der Einstig in den Sommeiller erfolgt bei Bardonecchia und ist ziemlich schwer zu finden, denn es gibt keine Schilder oder sonstiges. Uta, weil Roadchief hatte die "Einstiegsdaten" glücklicherweise als GPS Datei vorliegen und so fanden wir die Anfahrt, bei Rochmolles, ohne Probleme.

 

Zunächst geht es über einige Kilometer, leicht ansteigend durch den Wald. Schön, easy, einige würden sogar lieblich sagen. Die Strecke war gesäumt von anderen Offroad Enthusiasten, die sich voller Vorfreude, auf zwei bis vier Rädern, auf den Weg zu diesem Monsterberg machten. Nach einigen Kilometern trifft man auf ein Kassenhäuschen in dem ein Obulus in Höhe von € 5,00 für die Befahrung zu entrichten ist. Ach ja, meines Wissens ist der Sommeiller am Wochenende für KFZ gesperrt. Bitte aktuelle Lage im Internet recherchieren. 

Vorbei an einem Wasserfall werden die Anstiege und Kehren immer biestiger. Es schottert und der Biker schlottert. Kein Wunder, denn das Geröll sitzt doch recht lose. Wie gesagt: Achtung, ein Stein! Alles in allem aber gut zu fahren. Besonderer Spaß kommt auf, wenn uns ein Jeep entgegenkommt, denn dann wird es eng. Auch spassig: die lahmen Kisten in den Serpentinen zu überholen. Die meisten Autofahrer bleiben stehen und zeigen sich kooperativ. Ja, hier ist schon ein bisschen mehr los. Immer wieder treffen wir auf kleine Trialmaschinen und große Reisenenduros.

So ein Berg macht allen Spaß.

Nachdem der erste Teil gemeistert ist, kann man sich an einem tollen Bergambiente, schönen Aussichten und einer Panorama Ebene erfreuen. Hier kann man heizen oder rumtuckern, eine Furt bezwingen oder diese umfahren oder eine Pause machen und chillen. Ein bisschen Kraft sammeln ist von Nöten, denn jetzt geht es bergauf. Ziemlich Steil und auf verdammt ausgewaschenen Wegen.

Wir konnten mehrfach nur knapp Stürze vermeiden und mein Intercom lief heiß, aufgrund der Verwünschungen, die mir meine Gattin ins Ohr brüllte:
"Kack Hobby, ich fahr keinen Meter mehr weiter, Hilfeeee ich Stürze, ich mag nicht mehr, warum muß ich das machen, warum zwingst Du mich zum Offroadfahren etc." , um nur einige harmlose Beispiele zu nennen.
Zu guter Letzt sind wir natürlich oben angegekommen und wurden durch Schneeplatten, einen Bergsee und eine besondere Höhenlandschaftsatmosphäre belohnt. Das gibt es halt sonst nirgendwo – da muss man durch, wenn man das besondere geniessen möchte.
Vielleicht kommt auf den Fotos etwas davon rüber!?

Am Gipfel trafen wir noch zwei Brüder aus Unterfranken, die eben so begeistert waren wie wir. Kann man eh sagen, dass diese "Art" von Motorradfahren wirklich nett und kommunikativ ist. Wir haben mit vielen Offroader ein Pläuschchen gehalten. Unkompliziert, freundich und immer am Erfahrungen und Tipps austauschen. Klasse!

Die beiden lustigen Franken empfehlen uns auch noch im kleinen Örtchen Rochmolles auf dem Rückweg anzuhalten und diese Empfehlung geben wir gerne an euch weiter. Ein toller kleiner Ort mit Mini Gassen und einer netten, kleinen sehr alten Kapelle und einem hübschen Cafe/Restaurant.

Lac de Monte Cenis


Den Nachmittag verbrachten wir mit einer Ausfahrt zum Monte Cenis/Lac Cenis. Diese Tour soll absolut lohnend sein, doch ich möchte hier den Mantel des Schweigens darüber legen, denn es fing an zu regnen, wir hatten zu wenig Benzin und waren generell schon wegen der Sommeiller Ausfahrt ziemlich kaputt. Die Gegend war toll und die Schotterwege schienen eine Befahrung wert zu sein. Wir brachen die Tour jedoch ab und tuckerten auf Asphalt zum Campinplatz.

Ende Teil 1


Das war es mit dem nördlichen Piemont für uns, denn das Wetter sollte schlechter werden. Neues Reiseziel: Süd Piemont oder Ligurien – das weiss wohl keiner so genau. Mehr dazu in Teil 2, wo wir auch Strassenetappen fahren (z.B. Col de la Bonnette) und die Maira Stura Kammstrasse bezwingen.

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Italien/Piemont - Teil 2

Weiter geht`s


Was macht der schlaue Motorradfahrer, wenn für die nächsten Tage schlechtes Wetter angekündigt ist? Er wechselt den Standort! So auch Team Rossi.

 

Wir sagten dem Gran Boscco lebewohl und tuckerten über kleine bis mittlere Strassen Richtung Cuneo. Langweilig, wie häufig erlebt in Italien. Recht trostlose Strassen, Maisfelder, Shopping Centren. Nur gut, dass ich mit der CRF fahren durfte und Uta den Bulli steuerte.

Und wie es dann immer so ist: Als wir nun nach endlosem rumgegurke in Cuneo angekamen wirkte der Campingplatz nicht besonders einladend auf uns. Kein Thema, fahren wir halt weiter. Es war ja auch noch nicht spät. Raus aus Cuneo und eine herrlich Berglandschaft baute sich vor uns auf. Durch ein traumhaftes Tal ging es nach Vinadio.

Glücklicherweise gibt es in dieser Region ja auch diverse Campingpätze, laut Internet. Camping "numero uno" war mehr oder weniger geschlossen und ebenfalls sehr unansehnlich, es stank nach Kacke. Ja, auch wenn es nicht schön klingt, so muss ich es leider formulieren: Kacke! Uta wurde schummerig vor Augen und ich merkte, dass wir jetzt doch schon wieder etliche Stunden unterwegs waren und sich der Tag dem Ende entgegen neigte. Hier konnten wir nicht bleiben und so fuhren wir weiter über die nahe gelegene Hauptstrasse. Ein Ort, eine Chance!? Ja, da war er. Unser Campingplatz: Camping die Forti (keine Website), in Vinadio.

 

Ich, schon völlig im Eimer, fragte nach einem Standplatz - auf deutsch. Keine Reaktion. Englisch funzte auch nicht. "Parlez vous francais (sprechen sie französisch)?", fragte mich der freundliche Italiener an der Rezeption. Ich antwortete mit einem kecken: "un petit peu (ein kleines bisschen)!" -  War damit aber auch der Einzige, der ein bisschen fanzösisch sprach. Mit Händen und Füssen wurde folgendes ausgehandelt: Wir könnten zwei Tage bleiben, müssten aber den Standort nach einer Nacht wechseln und könnten nur am ersten Abend Strom erhalten. Tutto completto – Alles voll!

Besser als nix! - wenngleich der Campingplatz keinerlei Extras, wie ein Cafè oder einen kleinen Supermarkt zu bieten hatte.

Forte di Vinadio
Forte di Vinadio

Ab ins Hospital


Egal, wir haben andere Probleme: Uta wurde von einer fiesen Wespe gestochen, voll rein in die Achsel. Das Ganze führte nun zu einem großen, roten, runden Kreis.
„Scusi, wo isse hiere Kranke Hause?“ - Freundlich wurde übersetzt und der Weg beschrieben. Nach langer Sucherei landeten wir vor einem Gebäude, dem „sogenannten“ Krankenhaus.
Ein großes Sanatorium, wie ich es mir eher in Rumänien (ohne da gewesen zu sein) vorstelle. Ich sach ma: sehr einfach, sehr alt, sehr renovierungsbedürftig.

Einige Wege/Stationen/Räume wurden per Stecktafel ausgewiesen, andere nicht. Ein paar ältere Menschen mit Rollstühlen und Rollatoren schmückten die Szene. Es war wiklich surril.
Nach einigem Gesuche, durch die verschiedenen Stockwerke, landten wir vor einem Zimmer:
„Comme inne plies“ - Klang ein bisschen, wie Valentino Rossi auf der MotoGP Pressekonferenz – halt nur in weiblich. Wir fühlten uns aufgrund der Räumlichkleiten in die 50er Jahre zurück versetzt. Leider habe ich kein Foto gemacht. Die junge Ärztin hingegen war supernett und wirkte sehr versiert. Fachlich und menschlich fühlten wir uns hier sehr gut aufgehoben. So ein optischer Eindruck kann halt auch täuschen. Zielsicher veschrieb sie ein Antibiotikum und eine Cortison Creme. Das Ganze auf einem weißen Block, so ein Einkaufszettel-Teil, verziert mit ihrer Unterschrift. Boah, das war schon wieder ein Abenteuer und ich bin, trotz der komptenten Ärztin (ich hoffe, es war nicht die Sekretärin), wirklich froh, dass wir hier keine schlimmeren Gesundheitseinschränkungen hatten.

Mit einem Rucksack voller Pillen und Cremes ging es erschöpft zurück zum Campingplatz. Der Camping dei Forti liegt übrigens direkt an einer tollen Burg, zusammen mit den Bergen schafft das ein wirklich tolles Ambiente. Wenigstens das.
Natürlich nur auf italienisch: http://www.fortedivinadio.it/

 

Was blieb: Ein Bummel durch die Burganlage (inkl. Volkstanzgruppe), Pizza, Bett. Gute Nacht

Merke: Die ganze Region scheint eines der Top Reiseziele für Italiener zu sein. Touristen aus anderen Ländern gibt es wenig, die Campingplätze sind sehr voll. Das sollte in die Planung einbezogen werden. Die Gegend ist allerdings auch sehr preiswert. Den Cappuccino gibt es so um die € 1,50 - eine Pizza kostet ab € 5,00 bis max. ca. € 10,00 - Campingplätze: preiswert

Tipp: Sehr gutes und bezahlbares Essen erhält man in Vinadio in der
"Pizzeria-La Locanda Di Vinadio", direkt an der SS21 kurz vor der Tankstelle.


Der höchste Berg - Cime de la Bonette


Ein neuer Tag und wir haben uns eine reine On-Road Tour, also ein Tour ausschließlich auf asphaltierten Strassen vorgenommen. Die Sonne scheint, aber es ist kalt. Auf dem Programm steht eine traumhafte 150 Kilometer Rundtour mit phantastischen Aussichten und herrlichen Serpentinen.

 

Reserviert euch einen Tag für diesen Turn, wenn ihr in der Gegend seid - es lohnt sich. Von Vinadio geht es über die SS21 auf den Colle della Maddalena/Col de Larche. Eine ziemliche Autobahn und gut zum warm werden. Hier mussten wir wir einen ersten Stopp einlegen, weil es so unglaublich kalt war. Also nicht warm geworden. Wir kramten wirklich alles an Klamotten raus, was wir dabei hatten und zitterten uns Richtung Gipfel. Bibber. Von hier fuhren wir weiter nach Jausiers um die Auffahrt zum Col de la Bonette (Cime de la Bonette) zu nehmen, der ja wohl der höchste, asphaltierte, befahrbare Pass in den Alpen ist (bitte keine Schlaumeiereien jetzt...). Endlos windet sich die Strasse auf eine Höhe von 2715/2860 Metern. Eine Karawane von Radfahrern, Autos und Moppeds kämpfen sich die nicht endenden Serpentinen bergauf. Ja, das wollen wir, deshalb sind wir hier. Immer wieder müssen wir kurz anhalten, weil die Panoramen und Ausblicke einfach fantastisch sind. Schöne Natur.

 

Ich muss übrigens mal wieder erwähnen, dass sich unsere Honda CRF250L auch hier als Wunderwerk der Technik präsentiert. Ausdauernd, wie ein Sherpa tuckert die kleine Dualsportkönigin die Berge hinauf, wird nicht müde und überholt alles, was ihr zu lahm erscheint. Wer schlau ist fährt Honda. Auf dem Gipfel: Massentourismus. Alle lassen sich vor dem berühmten Stein fotografieren, die irren Radfahrer haben sich das auch verdient. Wie kann man seine Freizeit nur so versauen ;-)

Scheinbar wenden hier die meisten Bergspezialisten, wir nicht. Wir wollen ja schließlich eine Runde fahren und keine Ecke. Die Abfahrt gehört uns fast alleine. Am Fusse der Abfahrt trinken wir einen Kaffee. Wir sind in Frankreich. Ups, da kostet der koffeinhaltige Wachmacher gleich mal das Dreifache vom Pendant in Italien. € 3,60. Was so ein paar Meter doch ausmachen können. Egal, wir geniessen die Sonne und blicken neidisch auf die Fleischplatten unserer Nachbarn, die uns wirklich zu teuer sind.

Merke: Italien (in dieser Region) preiswert - Frankreich teuer.

 

Mit voller Energie führt uns die Reise auf der D64 nach Isola 2000, einem schmucklosen Retortenskiort. Die Fahrt hierhin ist jedoch wieder mit richtig schönen Serpentinen gespickt. Isola 2000 geht direkt in den Col de Lombarde über. Hier wandelt sich die Landschaft, eine besondere Atmosphäre entsteht. Neben Steinformation und Geröll zeigen sich immer wieder Lila/Magenta Blumen am Wegesrand. Es ist so schön, das wir eine lange Rast machen, die schweren Enduro Botten ausziehen, die Natur genießen und den Longboardern bei ihren waghalsigen Abfahrten zusehen. Ein schier endlos scheinende Abfahrt führt uns erschöpft, aber glücklich zurück nach Vinadio.


Il Castagneto oder "Die buon giornos"


Manchmal ist es ja gut, wenn man zum Umzug gezwungen wird. Da ist man zunächst total verärgert und denkt sich: "Wat `ne Scheiße, das soll Urlaub sein!?" Und dann...
Als wir das erste Mal Richtung Vinadio fuhren mussten wir uns, aufgrund eines Staus, durchs Hinterland kämpfen. Ein kleiner Parallelweg (SP337) in Richtung Vinadio ließ uns nahe dem Örtchen Demonte einen abgelegenen Campingplatz finden. Weil wir nicht zuviel Zeit verplempern wollten und froh waren, dass noch genau ein Platz frei war, buchten wir uns für die nächsten Tage ein.
Il Castagneto – Die Kastanie.


Im Laufe der nächsten Tage entpuppte sich Il Castagneto als kleines, zauberhaftes Schatzkästchen. Die auschließlich italienischen Camper waren äusserst interessiert und erfreut über die Motorrad Exoten aus Deutschland. Von nun an können wir unseren Aufenthalt dort mit dem Wort „Buon giorno“ - Guten Tag beschreiben. Es war so nett und herzlich und wirklich jeder Camper begrüßte uns mehrmals täglich, eben mit buon giorno und ciao (Hallo) aber auch mit buona sera (Guten Abend) und buena notte (Gute Nacht). Auf dem Gelände wurde viel Boule gespielt, der Cappuccino und Grappa waren sehr günstig und der Campingplatzbesitzer ein unheinlich netter Typ, der dazu auch noch Englisch sprechen kann (der Einzige auf dem Campingplatz).

Wer Herzlichlichkeit und ein einfaches Leben (Duschen/Sanitär) mag ist hier richtig aufgehoben. Wir fanden es schön bei den "Kastanien" und können den Platz wirklich weiter empfehlen.

Den nächsten Tag verbrachten wir mit einer tollen individuellen Tour über Stock und Steine und Berge und Diesdas...


Die Maira Stura Kammstrasse


Sperrung Maira Stura Kammstrasse
Sperrung Maira Stura Kammstrasse

Glücklicherweise hatten wir ja schon herausgefunden, dass die Maira Stura Kammstrasse nicht immer für uns befahrbar ist. Sie unterliegt zum Teil massiven Sperrungen, die dann aber auch wieder um 17:00 aufgehoben werden. Am Fusse des Berges steht von dieser Aufhebung jedoch nichts, das muss man selbst herausfinden, indem man z.B. den Colle Preit hochfährt und dort auf das „Zeitenschild“ trifft.

 

Merke: Vorher informieren, welche Strassen, Berge etc. gesperrt sind. Die Sperrungen variieren monatsweise.

 

Los ging es also in Demonte, da wir uns der Maira Stura von hinten, entgegengesetzt der eigentlichen Fahrtrichtung nähern wollten. Wir hatten ja auch bis 17:00 Uhr Zeit. So ging es romantisch und easy über kleine asphaltierte Sträßchen zum Col dei Morti / Col de Fauniera, wo eine große Statue dem ehemaligen Tour de France Sieger Marco Pantani huldigt. In unmittelbarer Umgebung befindet sich auch der Eingang, bzw. für uns die Ausfahrt der Maira Stura.

Die Panoramen hier sind der Hammer. Naturspektakel vom Feinsten. Fahrspaß pur.

 

Wir tuckerten weiter über schier endlose Abfahrten nach Ponte Marmora, wo wir (kurz vor der Kreuzung) in ein kleines Restaurant einkehrten. Der Besitzer beäugte sofort und umfangreich unsere Honda CRFs, denn die scheint es in Italien nicht zu geben. Sein begeistertes Lächeln und der Daumen nach oben sprach eine eigene Sprache. Die kleine Trattoria (Ristorante con camere Gentil Locanda,  Ponte Marmora) ebenso: 2 Cappuccino, 2 große und sehr leckere Panini Schinken/Käse zum Preis von total € 9,60. Super!

Gestärkt und "natürlich" schon nach 17:00 fuhren wir auf den Colle Preit, wo wir nur noch einige verstört dreinblickende Wanderer und Spaziergänger trafen. Mit uns hatten Sie hier oben nicht gerechnet. Der Vorteil an dieser Sperrung ist, dass man die komplette Maira Stura Strasse für sich alleine hat. Zwei Enduristen kamen uns noch entgegen, das war es dann auch schon.
Schon diese Einsamkeit schafft Atmosphäre.

Die Maira Stura ist eine wunderschöne Kammstrasse, die gerade in dieser Abendstimmung zeigt, wie gewaltig und beeindruckend Bergpanoramen sind. Hier und da ein Murmeltier, einige spitze Steine und Geröllpassagen fordern noch ein bisschen Konzentration, aber insgesamt ist die Maira Stura prima zu befahren.

Wir stoppten häufig, einfach um zu gucken und die Berge in uns aufzunehmen. Ich hoffe, die Bilder erzählen ein bisschen davon.


Wie erwähnt waren alle Menschen weg. Nicht so die Tiere. Als Erstes stießen wir auf eine sehr große Kuhherde. Die schönen Tiere sind sind ungewöhnlich muskulös, da sie ja den ganzen Tag die Hügel rauf und runter rennen. Ein Kalb machte die ganze Mopped Geschichte nervös, so dass es gleich neben uns her laufen musste, seine Mutter auch. Das weckte das Interesse eines fullminanten Bullen. Scheiße. Rotes Motorrad + Stier = Problem. Ich fällte eine Entscheidung: Augen zu, Vollgas und durch. Ich war gerettet. So blieb mir auch Zeit die Kamera zu zücken, um eventuelle Angriffe des Muskelmonsters auf Uta zu dokumentieren. Die gab aber auch Gas und dem Bullen war`s letztendlich egal. Auf dem Foto sieht das wirklich unspektakulär aus, im „real life“ waren wir uns nicht sicher, ob das gut geht. Abenteuer halt, ihr kennt das...


Langsam wurde es dunkel und wir erreichten den Ausgang der Maira Satura und kurvten über die einsamen Serpentinen Richtung Tal. Das ging gut, bis zu einer Schafherde. Schafe kennen wir ja aus der Nordheide. Die tun nichts. Diese hatten jedoch ein paar Freunde dabei: Hunde. Diesmal gab Uta Stulle und hängte die kleffenden Vierbeiner ab. Ich hatte einen ähnlichen Plan, aber sogleich klebte einer der bellenden Schafshüter an meinem Stiefel. Ein Hoch auf die Endurostiefel. Der Schäfer brüllte wie ein Irrer, dem Köter war`s egal und irgendwie konnte ich dann doch weiter fahren. Bein heile, Siefel heile, alles in Ordnung.

Nach diesem Tag mit vielen Berg- und Schotterkilometern hatten wir uns eine leckere Pizza-to-go verdient. Der Magen hing schief und die Muskeln waren schlaff. Unsere Stammpizzeria erschien uns zu weit entfernt und so machten wir an der Pizzeria „Zum schmierigen Löffel“ halt. Von denen bin ich jetzt „Hater“ ! So ein paar Arschgeigen. Wir orderten unsere Pizza und es passierte einfach nichts. Ist ja ok, wenn man warten muß, aber wenn man uns dann nach über einer Stunde sagt, dass man in nächster Zeit mit der Fertigung dieses Hightech Produkts beginnen würde, ist das echt `ne Frechheit! Den ganzen weiteren Ablauf möchte ich euch ersparen, aber Uta war echt sauer und ich möchte nicht, dass ihr sie so kennenlernt!
Bei unserer Lieblingspizzeria in Vinadio lief dann alles optimal. 10 Minuten Wartezeit, nette Leute und eine köstliche, preiswerte Pizza entschädigte uns für den Nerv.
Beim Il Casagneto, unserem Campingplatz gab es dann noch die ersten Grappe des Urlaubs und ein paar Bier (wegen der Elektrolyte).

Tipps:

  • Never change a running Pizzeria
  • Die Maira Stura Kammstarsse ist besonders in den Abendstunden ein wunderbares Erlebnis
  • Ein Reise-Kompressor, der über die Moppedbatterie betrieben wird und funktioniert ist gut (wir hatten auf der Maira Stura Tour ziemlich viel Luft verloren)
Nie wieder!  Das war echter Mist!
Pizzeria "Zum schmiereigen Löffel" - Nie wieder! Das war echter Mist!

Letzte Urlaubstage


Den Piemont Abschluss bildete unsere Tour zum Col de Vars, weiter über einen tollen, langen Waldweg (Denze Tour) zum Col de Valbelle und nach Risoul. Hier trafen wir teilweise auf groben Schotter und 18% Steigung. Dufte.
Es war auch nicht ganz klar, wo man dort fahren darf und so probierte ich noch einen Gipfelsturm. Es war von unten nicht so gut zu sehen, dass das Ding enorm steil war und sich im oberen Teil richtig große, fiese Geröllmassen aufbauten. Ich also volle Stulle hochgedonnert, fast hingeflogen und mit mehr Glück als Verstand und ohne Sturz oben angekommen. Ein tolles Panorama und massivst zitternde Beine waren die Belohnung. Hier fiel mir auch wieder auf, dass sich Wanderer, Mountainbiker und Moppedfahrer die Natur teilen könnnen, ohne das es eskaliert. In Italien und Frankreich. Schade, dass in Deutschland nicht funktioniert.

Unsere Urlaubstage waren gezählt und so veranschiedeten wir uns von den „Bon giornos“, dem netten italienischen Haufen. Die Reise führte weiter nach Embrun und zu einer erneuten Befahrung des Parapillon, der uns viel leichter als letztes Jahr erschien. Da haben wir doch etwas gelernt in den letzten Monaten!?

Reich beschottert und erschöpft ging es dann über Freiburg zurück nach Hamburg.

 

Fazit: Das Piemont ist schön und toll, die Honda CRF250L ist immer noch ein supergeiles Motorrad, abseits der großen Strassen zu fahren macht besonders viel Spaß.

 

Hier nicht beschrieben habe ich, dass wir häufig wirklich Offroad unterwegs waren. Erschien etwas interessant - bogen wir ab. Das endete oft in richtig tollen Strecken und kleinsten Wegen, unfahrbaren Auffahrten, Sackgassen und kleinen Abenteuern.


Hier geht es zu Teil 1: Piemont Teil 1

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