Fischereihafenrennen Bremerhaven 2017

Laut.Roh.Echt.

Fischereihafenrennen Bremerhaven

Das 60. Fischereihafenrennen in Bremerhaven

Pfingsten, es ist wieder soweit. Wie seit vielen Jahren ist das FHR für uns ein fester Termin. Es ist aber auch einfach zu geil - Du stehst ab 8:00 Uhr morgens an der Strecke und lässt Moppeds der unterschiedlichsten Klassen bis 18:00 Uhr an Dir vorbeiorgeln. Ohne Pause. Zwei Tage lang. Es riecht nach Benzin. Lecker!

 

Nachdem wir Zeltplatz, Hotel, Privatunterkünfte in und um Bremerhaven ausprobiert haben, geht es diesmal mit unserem Bulli los. Ohne Plan wollen wir so nah wie möglich an der Rennstrecke parken. Naiv, oder? Diesmal wird diese Blauäugigkeit belohnt. Wir reisen am Samstagnachmittag an und finden einen superschönen Platz direkt am Hafen und parken neben Schiffen und zwischen anderen Campern. Die Sonne scheint. Romantik pur.

 

Wir bummeln zur 5 Minuten entfernten Rennstrecke, um einige Bekannte und Fahrer zu begrüssen, die wir über die Jahre kennen gelernt haben. Irgendwie ist immer alles gleich in Bremerhaven, aber halt toll "gleich", bis auf eine wichtige Änderung, auf die ich später noch zu sprechen komme.

 

Es herrscht hektische Betriebsamkeit, denn das Rennen findet ja auf einer öffentlichen Strasse statt, die über Nacht zu einer Rennstrecke umgebaut wird. LKW s mit Strohballen, Gabelstapler, wuselige Menschen – Es soll noch regnen und der Kurs muß morgen früh fertig sein.

Wir wandern zum Bulli, kochen etwas und geniessen das Hafenambiente,

Tag 1. - Training und Qualifikation

Der erste Tag beim FHR ist der Tag des Trainings und der Quali. Es ist noch nicht richtig voll, aber die Fahrer ziehen schon volle Lotte am Gas. Egal, ob Oldies aus den 60er Jahren, Sidecars oder fette Superbikes, hier ist wirklich alles dabei.

Die Fahrer sinds in der Regel keine Profis, wenn auch ziemlich rennerfahren. Man glaubt es immer gar nicht, was für Gestalten unter den Helmen stecken. Das FHR zeigt, dass man nicht jung sein muss, um 1a sportliche Leistungen zu zeigen. Graue Haare soweit das Auge reicht ;-)
In den sehr sportlichen Klassen sinkt das Alter jedoch meistens. Viele IDM, IRRC, Isle of man und Macau Grand Prix Akteure, wie z.B. Didier Grams sind hier am Start

Didier Grams auf seiner BMW S1000RR
Didier Grams auf seiner BMW S1000RR

Die meisten der älteren Maschinen sind in liebevoller Kleinarbeit selbst zusammen geschraubt.

Woher ich das weiß? Die Fahrerlager (für die 400 Teilnehmer) sind Tag und Nacht geöffnet. Hier kann man bummeln, staunen und mit den Fahrern sprechen. Die freuen sich eigentlich über jede Ablenkung. Eine Händlermeile, mit den neuesten Motorrad Modellen und viele Wurst-, Kaffee-, Kuchenstände (ach nee, das sind ja Foodstrucks ;-) ) etc. sorgen für Volksfestcharakter. Abends spielt eine Band im Festzelt - Topaktuelle Hits von UFO bis Michael Jackson stehen auf dem Programm.

 

Vom Fahrerlager unserer Classic Superbike Freunde lädt uns Kenny Hinck in seinen Transporter, um uns über die Rennstrecke zum Festzelt zu fahren. Es regnet nämlich. Das FHR ist eine Familienveranstaltung. Die Familie Hinck stellt das Ganze seit Jahren auf die Beine und kümmert sich um alles, räumt Steine aus dem Weg und sorgt für eine unvergleichbare Veranstaltung. Danke dafür! Zum Beispiel der eben angesprochene Kenny, ein "Isle of man" erfahrerner Rennfahrer und Sohn des Veranstalters Hinni Hinck, wollte dieses Jahr selbst am Rennen teilnehmen, musste er absagen, weil zuviel Kleinkram zu erledigen ist. So ist das eben und wir spüren, was für ein gewaltiger Aufwand hinter der ganzen Angelegenheit steckt.

Tag 2 - Raceday

 

Am Tag der Rennen ist alles besonders kribbelig. Wir sind ja schon ziemlich erfahren und wissen, welche Fahrer am Start sind und wo wir einen guten Platz für die ersten Stunden finden. Wir fiebern schon richtig mit.

Hier kommt jetzt die Einschränkung (und meine persönliche Einschätzung):

Das Rennen und alles drumherum konnte über die Jahre von der Familie Hink in Eigenregie durchgeführt werden. Die Sicherheit von Fahrern und Zuschauern wurde mit professioneller Hilfe sichergestellt. Vor einigen Jahren verunglückte nun leider ein junger Mann tödlich. Das kann im Rennsport passieren. Wissen wir alle. Traurig ist es trotzdem, zumal sich dieses gruselige Ereignis letztes Jahr wiedeholte. Ein Startunfall, bei dem sich zwei Fahrer verhakten. Einer überlebte die Kollision nicht.

Resultat hieraus ist, dass sich der DMSB (Deutsche Motorsportbund) in das Rennen einmischt, die Rennstrecke abnimmt.

 

Jeder Teilnehmer weiß, dass das Rennen extrem gefährlich ist und baut sich eine zehn prozentige Sicherheitszone ein, schliesslich prallt niemand gerne mit 100km/h in eine Mauer.
Die Zuschauer sind durch Strohballen und Gitterzäune geschützt. Können auf Wunsch auch ganz risikolose Plätze einnehmen.

 

Dieses Jahr ist nun alles anders. Der DMSB hat scheinbar dafür gesorgt, dass die Zuschauer 5 Meter Abstand zum Kurs halten müssen. Weiterhin sind z.B. auf der Start-Zielgeraden massenweise Betonblöcke mit riesigen Fangzäunen aufgebaut. Man sieht wirklich weniger. Ich könnte kotzen!
Damit wird dem Zuschauer einmal mehr ein einmaliges Erlebnis genommen. Ich fühle mich als Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer auf jeder öffentlichen Strasse unsicherer, als beim FHR. Für meinen Geschmack ist das blinder Aktionismus. Der Platz an der Strecke ist jetzt wesentlich enger geworden, viele schöne Streckenabschnitte wurden für Zuschauer gesperrt oder verengt, das legendäre Abklatschen der Fahrer ist nicht mehr möglich, es sei denn man hat fünf Meter lange Arme. Das der ganze Spaß etliche 10.000 Euro kostet muß ich hier wohl nicht extra erwähnen. Zahlt das der DMSB? Ich glaube nicht...

Das ist natürlich meine persönliche Meinung, Empfindung. Ich habe auch mit keinem DMSB Verantwortlichen gesprochen, aber ich glaube auch der könnte mich nicht davon überzeugen, dass diese Änderungen sein mussten.

 

Nicht das wir uns falsch verstehen, Verbesserungen in puncto Sicherheit finde ich gut und wichtig (z.B. Airfences (Luftkissen) für Fahrer oder Sicherheitszonen für Zuschauer im Startbereich), aber es muß halt in einem gesunden Verhältnis zum Risiko stehen. Aus diesen Gründen strich die Familie Hinck ja schon die 600er Klasse (Yamaha R6 u.ä.), sowie die Supermotos aus dem Rennen. Zu gefährlich, zu verrückt, aber von uns mit einem weinenden Auge hingenommen.


Die Änderungen des DMSB bedeuten extrem starke Qualitätseinbußen für die Zuschauer. Ein evtl. höherer Eintrittspreis (denn ich denke nicht, dass der Veranstalter diese Mehrkosten alleine tragen kann) und eigentlich auch der Zwang für die Hinks diverse Tribünen aufzubauen (da viele Plätze fehlen und die Sicht oft eingeschränkt ist) sind wohl die Folgen.

Wir haben es an den Renntagen geliebt, uns frei zu bewegen und eigentlich an der ganzen Strecke einen Platz finden zu können, um die Rennen aus der ersten oder zweiten Reihe zu beobachten, verschiedene Perspektiven einzunehmen. Das ist jetzt vorbei. Weggegangen Platz vergangen. Ätsch. Und dann siehste nix mehr.

 

Ich hoffe, dass es da für die nächsten Jahre ein Lösung gibt.

Nicht falsch verstehen, das ganze ist immer noch sehr sehenswert und ein tolles Erlebnis. Die Atmosphäre ist und bleibt unvergleichlich.
Ich empfehle Euch dringend den Termin für das nächste Jahr frei zu halten.

Die Rennen selbst waren unheimlich spannend und es erstaunt mich immer wieder, was mit einem Mopped möglich ist. Wir sind selbst mal den Kurs abgefahren und seit dem weiß ich die Leistung der Fahrer noch höher einzuschätzen. Hier kommen Mut und Können zusammen.


Die Streckensprecher Staschl und Egon Müller (Sandbahnweltmeister vergangener Jahre), verstehen es eine tolle, mitunter skurille Atmosphäre zu zaubern. Besucht man das Rennen häufiger fühlt man sich spätestens, wenn man die beiden aus den Lautsprechern hört, zu Hause.

10 Stunden Rennen nehmen ihren Lauf. Pausenlos. Die Sonne scheint, es gibt wenig Unfälle und somit wenig Rennabbrüche. Das ist richtig toll! In den meisten Klassen setzen sich die Favoriten durch und heimsen die von „Werner“ Brösels Bruder Andi Feldmaann gebauten Pokale ein.

 

Um 18:30 drehen aller Fahrer gemeinsam noch eine Runde, ohne Helm um den Kurs und feiern gemeinsam mit den Zuschauern das beste Motorsportevent Deutschlands.

Wir sind völlig kaputt und fahren einmal mehr zufrieden und glücklich nach Hause.

Mehr Infos:

Alle Infos: www.fischereihafen-rennen.de
Eintritt: Renntag € 25,00 / Beide Tage € 35,00
Anreise für Samstag einplanen (wenn Zelten oder Caravaning geplant)
Hotel schon sehr lange vorher buchen!

Mehr Fotos vom Rennen: www.facebook.com/motorradblogbuch

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