Italien/Piemont

Abfahrt


Yeaaaaaaah! Es geht wieder los! Urlaub machen wird komischerweise nie langweilig.  Nach einem weiteren norddeutschen Horrorsommer geht es ab nach Italien. Genauer gesagt ins Piemont (nähe Turin), da wo Claudia Bertani für Mon Cherìe die berühmte Piemont Kirsche erntet, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.

 

Der Road Chief (Uta) hatte die Tour geplant und so mussten wir nur noch unseren Bulli mit den beiden CRFs und dem restlichen Krempel, den man so für eine Ausfahrt benötigt , beladen. Die klappbaren Spiegel und die neue Rampe erleicherten die ganze Sache doch ungemein und ab ging die wilde Fahrt Richtung Süden.

 

Einen ersten Stop hatten wir am Bodensee geplant, da wir keinen Bock hatten die Strecke in einem Rutsch durchzufahren. Wer kommt schon gerne völlig gerädert am Urlaubsziel an?! Bis Lindau lief auch alles super, die A1 war frei und wir entspannt. Halt! Das ist doch viel zu einfach!

Der Campingplatz in Lindau war rappeldicke voll und man schickte uns nach Österreich, ins benachbarte Bregenz. Na gut, auch das. Das Campingareal ist groß, ein bisschen trashig und die Getränke teuer (Flasche Wasser im Kiosk € 3,20).  Nach einem kleinen Imbiss ging es in unser betagtes Zelt. Der Road Chief bestand auf die Matratze, was sich im weiteren Verlauf der Nacht als Fehler herausstellen sollte. Es schüttete, wie aus Eimern. So doll, dass es im Zelt nass wurde und DAS ist wirklich ungünstig. Matzratze nass, Füsse nass, Kopf nass, alles scheisse!

Mit dicken Augen und jeder Menge Wut im müden Körper packten wir schnell unseren Kram (gegen 06:00 Uhr morgens) zusammen und fuhren Richtung Turin, um am Nachmittag das Ziel in Salbertrand, den Camping Gran Bosco, zu erreichen.

Webseite: www.campinggranbosco.it

Dieser Campingplatz in der Nähe von Bardonecchia ist ein beliebter Treffpunkt für Enduro- und Strassenmotorradfahrer aus ganz Europa, aber auch Offroader auf vier Rädern wählen den Gran Bosco als Basisstation. Grund: Von hier erreicht man direkt viele tolle und berühmte Schotterpässe.

Wir platzierten den Bulli neben zwei Motorrad Kollegen, die mit ihrem Sprinter angereist waren. Wie sich herausstellte kam das Vater-Sohn Gespann ebenfalls aus Norddeutschland und erkundete die Gegend mit einer 125er Beta und einer alten BMW 80 GS. Eine gelungene Kombi. Bei Pizza und Bier erfolgte ein regelmässiger Ausstausch über die gefahrenen Touren, erlebten Abenteuer und Pläne für die weitere Reise (Grüße an Euch, falls ihr das lest). Endurowanderer sind halt ein nettes Völkchen.

Preis für`s  Campen (pro Nacht): ca. € 25,00 für 2 Menschen, 1 Bulli, 2 Honda CRF250L
Sehr moderate Pizza Preise: € 4,50 - € 7,50 für normal belegte Pizzen (alle lecker!)

Colle delle Finestre - Assietta Kammstrasse - Monte Jafferau


Colle delle Finestre

Enduro Spezialisten freuen sich schon, wenn sie diese Namen nur hören. Gerade die Assietta Kammstrasse (eine alte Militärroute) ist äusserst beliebt und bekannt. Nicht nur unsere Bibel „Der Denzel“, sondern diverse Berichte anderer Endurofahrer, stellen diese Strecken als absolut lohnenswerte Ziele dar.

Über Susa biegt man am Ortsausgang rechts Richtung „Colle della Finsestre" ab. Auf einer asphaltierten Strasse geht es jetzt über etliche (mehr als 30!) Kehren durch ein wunderschönes Waldgebiet Richtung Finestre. Langsam wird die Strecke zur Schotterpiste. Diese ist bis auf ganz wenige kurze Passagen auch leicht zu fahren und stellt keine großen Herausforderungen da, wenngleich es in der einen oder anderen Kurve, aufgrund des Gerölls, recht rutschig werden kann. Die Strecke zum Finsestre sollte auch mit größeren Moppeds keine Probleme bereiten.

Uns überholen immer wieder die geilsten, alten Honda und Yamaha Enduros aus den 80zigern, weil wir langsam rumtuckern und häufig stehen bleiben, um die hammermässige Aussicht zu geniessen. Muss man ja auch als Nordlicht, so selten wie wir Bergpanoramen sehen.
Am Gipfel angekommen treffen wir die italienische Oldtimer Gruppe wieder. Nette Leute, die gleich „Bon giorno“ sagen und unsere CRFs begutachten.

Sogar der Giro d`Italia ist über den Finestre gefahren. Radprofis auf Schotter? Komisch! Egal, Danilo de Lucca hat seinerzeit gewonnen, was durch eine imposante Skulptur festgehalten wurde.
Eine toller Berg und schöner Start - Höhe 2176 Meter

Assietta Kammstrasse


Mit endorphin gefüllten Körpern rollen wir auf der asphaltierten Abfahrt, Richtung Assietta Kammstrasse. Nach ca. 2,5 km biegen wir rechts in den Schotterweg ein. Kann man eigentlich kaum verfehlen. Von nun an tuckrern wir gemütlich und leicht steigend, über 35 km auf der sandigen Piste. Postkartenmotive soweit das Auge reicht.


Tipp: Infos (über aktuelle Verbote u.ä.) - www.stradadellassietta.it/tedesco/

 

Auf dem Colle dell’ Assietta (2472 m) trifft man sie alle wieder. Hier werden die Fotos gemacht. So auch wir. Einfach schön hier oben. Ich fühle mich bei solchen Touren immer mehr als Wanderer und nicht so sehr wie ein Motorradfahrer. Endurowandern halt. Eins mit der Natur sein. Gucken und genießen.
Einige Kilometer später machen wir die verdiente Mittagspause in einer kleinen „Auberge“, an einem  Bergsee, wo uns ein äusserst netter Freak Torta chocolata (Schoko-Kuchen) und einen Cappucchino kredenzt. Alles bezahlbar.
Mit leichter Luftarmut geniessen wir hier das Bergflair und fahren seelig die Abfahrt  Richtung Campingplatz.

Monte Jafferau


Ein schöner Tag hätte hier mit einem enstpannten Nachmittag auf dem Campingplatz enden können. Aber nicht mit uns! Wir fuhren einfach daran vorbei und suchten den Einstieg zum Jafferau. Ein weiterer, ziemlich bekannter Pilgerpfad für Enduristen.


Circa zwei Kilometer nach Salbertrand muss man links zum Jafferau abbiegen. Der ist nicht ausgeschildert, die angegebene Richtung ist Exilles. Nun windet sich ein kleines Asphaltsträßchen bergauf. Über ca. 20 Kilometer und zum Teil sehr ausgespülte Wege, mit massiv losem Schotter gelangt man zum Tunnel von Seguret (Galerie del Seguret). Schilder in diversen Sprachen weisen darauf hin, dass dieser Tunnel nicht mehr befahren werden darf. Akute Einsturzgefahr! Mit freundlichen Grüßen vom Oberbefehlshaber des Militärs. Oh.
Man erzählt sich, dass vor dem Eingang diverse dicke Felsbrocken und sandiges, loses Geröll aufgeschüttet wurden. Ein ca. 30cm breiter Spalt soll jedoch zwischen den Steinen verblieben sein. Vielleicht könnte man ein kleines Motorrad da rüber heben? Egal, ist ja verboten...

Eine Frage bleibt bestehen: wieso hat man hier nicht ein verschlossenes Tor oder ähnliches angebracht hat, wenn man keine Tunnelbesucher wünscht?

Die Auffahrt zum Tunnel lohnt sich allemal, auch wenn man dort umdreht und wieder herunter fährt.


Wir sind natürlich nicht durch den Tunnel gefahren, sondern "beamten" uns auf die andere Seite. Eine eher langweilige Geschichte-kennt ihr ja aus Raumschiff Enterprise und so.
Srrrr, blink, blink und man ist auf der anderen Seite, also da wo man hin will...

Von unserem neuen Startpunkt führt eine schöne Schotterpiste auf den Monte Jafferau. Wechselnde Beläge von einfach bis „huch, was is dat denn jetzt“!? Mit Strassenmaschienen würde ich die Piste nicht fahren, geübte GS, Africa Twin u.ä.  Fahrer können das wohl und machen es auch.

Diverse Forts säumen die Piste und wir sind schon echt kaputt, als wir den Gipfel erreichen, werden aber einmal mehr durch eine Wahnsinnsaussicht belohnt. 2.800 Meter. Wow! Das ist eine Gegend für Naturfreaks. Echt schön! Ausser einem Radfahrer treffen wir hier niemanden.

 

Jetzt müssen wir ja „nur“ noch schnell runter fahren...Wir sind schon ziemlich naive Norddeutsche. Wir wählen die direkte Abfahrt, die (so genannte) Skipiste. Für uns war das mit das Härteste auf zwei Rädern, was wir bisher gemacht haben. Der Spaß ging mit ein paar engen Kehren los, die mit wunderbaren und extra lockeren dicken Steinen gespickt waren.

Hier kreierten wir auch den "Satz des Urlaubs": Vorsicht, ein Stein! - Was natürlich völlig absurd war, weil der ganze Urlaub aus kleinen, großen, spitzen, runden, sandigen, riesigen, doofen, schönen und dämlichen Steinen bestand.

Prima, wenn das Mopped nur noch rutscht und es einem ständig das Vorderrad verschlägt. Locker bleiben! Ohne die Kehren wurde es wesentlich steiler und sandiger. Klötter, klötter, die CRFs rutschen sich durch das Gelände. Hammerhart. Keine Schwäche zeigen, das merkt der Berg! Lächeln und ruhig atmen. Was soll man auch sonst machen, wenn weder die Vorderbremse, noch die Rückbremse noch der erste Gang das Motorrad wesentlich verlangsamen oder gar zum Stillstand bringen. Arschbremse? Nö, keine Lust. Also Augen auf und durch.

Im Endeffekt haben wir es geschafft. Wir waren kaputt und auch ziemlich zufrieden mit uns. Mit Mut, Ruhe, einem kleinen Paket an Enduro Vorwissen (bzw. Training) und Technikkenntnissen funktioniert so etwas auch. Keiner ist hingefallen (wie übrigens während des ganzen Urlaubs nicht) und ich bin echt stolz, wie kernig meine Frau ist. Ich habe ja längere Beine, die ich als Stützräder gebrauchen kann, sie nicht!
Die Honda CRFs sorgen wirlich für Abenteuer, ob man das will oder nicht...
Generell kann ich euch in diesem Zusammenhang noch sagen, dass der Anteil an Frauen, die sich auf Schotterpisten trauen, scheinbar minimal ist. Vielleicht 1:50 (eine Frau/50 Männer) nach unseren Beobachtungen. Also los Frauen: Das macht richtig Spaß ;-)

Ach ja, Fotos gibt es von der Abfahrt nicht-da war wirklich vollste Konzentration gefragt.
Völlig kaputt, ausgelaugt, muskelschwach und müde kamen wir am Abend wieder auf dem Zeltplatz an. Pizza und Bier – das war alles was an diesem Abend noch ging.

Ein Regentag


Col de L`Echelles

Der nächste Tag ist echt nervig, denn es regnet, regnet, regnet. Dafür fahren wir doch nicht extra nach Italien!!!???
Am Vormittag machen wir eine kleine aber schöne Tour über den Col de L`Echelles, und den Colle de la Scala, Aussergewöhnliche Landschaften präsentieren sich uns. Die Gegend erinnert ein wenig an "Hobbitland"  - glatt, grün, steinig. Es wir uns trotzdem zu nass. So verbringen wir den Rest des Tages im Bulli und hängen ab, schonen die müden Knochen.
Morgen soll das Wetter wieder gut sein – es wartet der Sommeiller auf uns.

Col de Sommeiller


Wirklich hoch- Der Sommeiller

Der Col de Sommeiller ist mit 3000 Metern Höhe eigentlich der höchste legal befahrbare Pass der Alpen. Also fast (siehe: de.wikipedia.org/wiki/Col_de_Sommeiller) . Egal, auf jeden Fall genau das Richige für uns. Nach unseren schönen, aber auch grenzwertigen Erfahrungen am Jafferau und Co sind wir schon enorm auf diese neue Herausforderung gesapnnt.
Die Sonne zeigt Ihr schönstes Gesicht und die CRFs sind nach dem Regentag extrem heiß auf Schotter & Co.


Der Einstig in den Sommeiller erfolgt bei Bardonecchia und ist ziemlich schwer zu finden, denn es gibt keine Schilder oder sonstiges. Uta, weil Roadchief hatte die "Einstiegsdaten" glücklicherweise als GPS Datei vorliegen und so fanden wir die Anfahrt, bei Rochmolles, ohne Probleme.

 

Zunächst geht es über einige Kilometer, leicht ansteigend durch den Wald. Schön, easy, einige würden sogar lieblich sagen. Die Strecke war gesäumt von anderen Offroad Enthusiasten, die sich voller Vorfreude, auf zwei bis vier Rädern, auf den Weg zu diesem Monsterberg machten. Nach einigen Kilometern trifft man auf ein Kassenhäuschen in dem ein Obulus in Höhe von € 5,00 für die Befahrung zu entrichten ist. Ach ja, meines Wissens ist der Sommeiller am Wochenende für KFZ gesperrt. Bitte aktuelle Lage im Internet recherchieren. 

Vorbei an einem Wasserfall werden die Anstiege und Kehren immer biestiger. Es schottert und der Biker schlottert. Kein Wunder, denn das Geröll sitzt doch recht lose. Wie gesagt: Achtung, ein Stein! Alles in allem aber gut zu fahren. Besonderer Spaß kommt auf, wenn uns ein Jeep entgegenkommt, denn dann wird es eng. Auch spassig: die lahmen Kisten in den Serpentinen zu überholen. Die meisten Autofahrer bleiben stehen und zeigen sich kooperativ. Ja, hier ist schon ein bisschen mehr los. Immer wieder treffen wir auf kleine Trialmaschinen und große Reisenenduros.

So ein Berg macht allen Spaß.

Nachdem der erste Teil gemeistert ist, kann man sich an einem tollen Bergambiente, schönen Aussichten und einer Panorama Ebene erfreuen. Hier kann man heizen oder rumtuckern, eine Furt bezwingen oder diese umfahren oder eine Pause machen und chillen. Ein bisschen Kraft sammeln ist von Nöten, denn jetzt geht es bergauf. Ziemlich Steil und auf verdammt ausgewaschenen Wegen.

Wir konnten mehrfach nur knapp Stürze vermeiden und mein Intercom lief heiß, aufgrund der Verwünschungen, die mir meine Gattin ins Ohr brüllte:
"Kack Hobby, ich fahr keinen Meter mehr weiter, Hilfeeee ich Stürze, ich mag nicht mehr, warum muß ich das machen, warum zwingst Du mich zum Offroadfahren etc." , um nur einige harmlose Beispiele zu nennen.
Zu guter Letzt sind wir natürlich oben angegekommen und wurden durch Schneeplatten, einen Bergsee und eine besondere Höhenlandschaftsatmosphäre belohnt. Das gibt es halt sonst nirgendwo – da muss man durch, wenn man das besondere geniessen möchte.
Vielleicht kommt auf den Fotos etwas davon rüber!?

Am Gipfel trafen wir noch zwei Brüder aus Unterfranken, die eben so begeistert waren wie wir. Kann man eh sagen, dass diese "Art" von Motorradfahren wirklich nett und kommunikativ ist. Wir haben mit vielen Offroader ein Pläuschchen gehalten. Unkompliziert, freundich und immer am Erfahrungen und Tipps austauschen. Klasse!

Die beiden lustigen Franken empfehlen uns auch noch im kleinen Örtchen Rochmolles auf dem Rückweg anzuhalten und diese Empfehlung geben wir gerne an euch weiter. Ein toller kleiner Ort mit Mini Gassen und einer netten, kleinen sehr alten Kapelle und einem hübschen Cafe/Restaurant.

Lac de Monte Cenis


Den Nachmittag verbrachten wir mit einer Ausfahrt zum Monte Cenis/Lac Cenis. Diese Tour soll absolut lohnend sein, doch ich möchte hier den Mantel des Schweigens darüber legen, denn es fing an zu regnen, wir hatten zu wenig Benzin und waren generell schon wegen der Sommeiller Ausfahrt ziemlich kaputt. Die Gegend war toll und die Schotterwege schienen eine Befahrung wert zu sein. Wir brachen die Tour jedoch ab und tuckerten auf Asphalt zum Campinplatz.

Ende Teil 1


Das war es mit dem nördlichen Piemont für uns, denn das Wetter sollte schlechter werden. Neues Reiseziel: Süd Piemont oder Ligurien – das weiss wohl keiner so genau. Mehr dazu in Teil 2, wo wir auch Strassenetappen fahren (z.B. Col de la Bonnette) und die Maira Stura Kammstrasse bezwingen.

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