Frankreich 2 - Embrun

Alpes de Haute Provence

Frankreich Savoyen und Dauphine mitg der Honda CRF250L

Der Col du Galibier

Oh nein, Oh nein...jetzt hätte ich doch fast den zweiten Teil unseres Urlaubsberichtes Frankreich/Savoyen vergessen. Puh, gerade noch dran gedacht. Im ersen Teil der Reise erklommen wir mit unseren Moppeds die Berge rund um Annecy, jetzt ging es weiter südlich Richtung Embrun.

 

Bei herrlichem Wetter verstauten wir die CRF`s im Bulli und machten uns mit etwas Wehmut auf in Richtung Süden. Das ist schon ein Luxus, wenn man einige Teile der Reise mit dem Auto machen kann. Es ist zwar ein anderes Reisen, als wir es bisher gewohnt waren, hat jedoch auch seine Vorteile. U. Schi hatte ja wie immer die Route ausgeklügelt und erzählte mir, ganz beiläufig, dass wir noch den einen oder anderen Berg zu passieren hätten . Auf meine Frage, ob Sie denn wüßte, um welche Berge es sich handelt meinte sie: „ ...irgend etwas mit Galibier, oder so!?“.

Waaaaaaas?

 

Der Gallibier ist einer der Top Berge der Tour de France. Ein Riesenzinken. Mit 2642 Metern der fünfthöchste asphaltierte Strassenpaß der Alpen. Schluck, und das mit unserem alten, voll beladenen, 86 PS Bulli. Schlotter.

Los ging`s. Rein in den Berg. Zunächst galt es den Col du Télégraphe zu erklimmen, ebenfalls ein Tour de France Berg. Kehre um Kehre. Radfahrer, Motorradfahrer, lahme Bullis. Der Wahnsinn. 

Der Aufstieg zum Galibier war dann auch ein weiteres Highlight der Reise. Wir hätten die Tour zwar lieber mit den CRF `s gemacht, aber auch so ist der Galibier ein echtes Erlebnis. Der Bulli und sein Fahrer wurden zwar an die psychische und physische Grenze gebracht, ein toller Moment war es allemal. Oben angekommen fühlte man sich auch, als ob man auf dem Mond sei. Ich war wirklich überrascht, dass wir keinen der nach Luft röchelnden Radler wiederbeleben mussten. Also, wenn ihr in der Nähe seid: rauf auf den Galibier. Egal ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, Mopped oder Bulli ;-).
Nach der kurvenreichen Abfahrt gönnten wir uns in der Talstation (sehr touristisch, mit kleinem Museum und diversen Cafés) erstmal einen Kaffee und einen Pudding im Glas. Lecker! Durch kurvenreiche, touritische Regionen und wechselnde Landschaften gurkten wir weiter Richtung Embrun.

Talstation Galibier
Treffpunkt für alle Galibier Bezwinger

Embrun - Lac der Serre Poncon

Eigentlich wieder mal zu spät erreichten wir Embrun, das Mekka des französischen Triathlonsports, mit historischer Altstadt. Der von uns avisierte Zeltplatz lag direkt am See. Prima, gleich gefunden. Was uns dort erwartete war allerdings der blanke Horror. Unübersehbare Massen an Menschen, Campingcars, Remmidemmi, alles scheiße. Und das auch noch, wenn man völlig kaputt ist. Ihr kennt das vielleicht!? Da wird gleich mal Frankreich an für sich und sowieso der ganze Urlaub in Frage gestellt.

 

Wie so oft war das Drama jedoch sehr übersichtlich. Nach einigen Kilometern (ungefähr auf Höhe von Les Moulins) fanden wir den direkt am See gelgenen Campingplatz „Manu“ (http://www.campingmanu.com) . Keine Schönheit, aber für unsere Zwecke ausreichend - Mit ordentlich Platz für den Bulli, die CRFs, Nähe zum See und einem Kühlschrank mit kaltem Kronenbourg Bier. Ausserdem bezahlbar und relativ ruhig mit schöner Aussicht auf die Berge. Unterirdisch waren allerdings die Toiletten und Duschen. Selten geputzt, kaum funktionsfähig. Ekelig!

Egal, für ein paar Tage geht das auch mal.

 

Da das Wetter perfekt war wollten wir am nächste Tag direkt die Highlight Tour des Urlaubs starten: Die Auffahrt zum Col du Parpaillon

Col du Parpaillon & Tunel

http://alpenrouten.de/Parpaillon-Col-du-Parpaillon-Tunnel-du_point355.html

 

Ich sach ma 2.700 Meter Berg hoch über Schotterpisten! Alles klar?

 

Bei herrlichem, frischen Wetter ging es los. Aufgrund unserer übersichtlichen fahrerischen Fähigkeiten wußten wir nicht genau, was uns erwartet und ob wir überhaupt in der Lage wären diese Tour zu meistern. Dies vorweg: es geht. Mit etwas Können und der CRF sowieso, mit schwerern Maschinen, wie z.b. einer Transalp oder BMW GS auch, aber mit Abstrichen. Hier sollte der Fahrer sein Gefährt schon ganz gut beherrschen, die Reifen sollten über ein geeignetes Profil verfügen, da einige anspruchsvolle Kehren und sehr grobsteinige Geröllpassagen zu meistern sind. Das ganze ist natürlich auch ziemlich wetterabhängig. Mit der Triumph Street Triple wären wir hier nicht gefahren.

Wunderbar fährt man aus Embrun auf kleinen, bewaldeten Bergstrassen Richtung Risoul. Einem richtig fetten Skigebiet. Dort angekommen müssen wir uns erstmal ein paar köstliche Teilchen in einer Patisserie kaufen und kommen mit einem deutschen Moppedfahrer ins Gespräch. Etwas neidisch guckt er auf unsere kleinen CRFs. Nach einem kurzen Benzingespräch und guten Wünschen machen wir uns auf in Richtung Parpaillon.

Hier fahren wir erstmal weiter auf tollen, ausgebauten Strecken. Landschaftlich schön mit Spaßgarantie. Nach einer Abfahrt und einer Pinkelpause müssen wir aufpassen, dass wir die Abbiegung zum Parpaillon nicht verpassen. In La Condamine – Chatelard geht es unscheinbar rechts (!) ab. Hier ist etwas Konzentration gefordert. Einsam und asphaltiert windet sich die Strasse nun bis zum eigentlichen Einstieg in den Parpaillon. Hier noch eine kleine Rast und los geht es. 

Durch ein kleines, sandiges, steiniges Waldgebiet knattern wir Richtung Berg, der sich auf einmal vor uns auftut. Uiuiui. Ein Koloss. Ein fettes Teil. Respekt einflössend für Nordlichter. Von nun geht es eine geraume Zeit (also ca. 12 Kilometer) über Geröll, Felsbrocken, ausgefahrene Rinnen und Spitzkehren nach oben.

Hinweis: Der Weg zum Parpaillon ist eine alte Militärstrecke - Route militaire
https://fr.wikipedia.org/wiki/Col_du_Parpaillon (französisch)

Immer weiter, immer weiter. Die Sonne brennt, trotzdem wird es von Meter zu Meter kühler. U.Schi will vor fahren. Das gibt ihr Sicherheit. Komisch, aber ok. Ich habe mich noch nie beim Motorrad fahren so gefühlt. Diese Mischung aus Abenteuer, Natur, CRF – der Wahnsinn. Auf dem Gipfel angekommen zeigt sich uns sofort der Tunel du Parpaillon – dieser einspurige, unbeleuchtete Tunnel.

Wir stellen jedoch die Moppeds ab und geniessen erstmal die Aussicht. Es ist wirklich frisch auf knapp 2.700 Metern. Himmelshöhe. Wunderschön. Wir haben Glück und sind alleine dort. Können die Stille und den majestetischen Ausblick geniessen. Danke, dass ich so etwas erleben darf.

Nachdem ein paar Radfahrer auftauchen werden wir in die Realität zurückgeholt und so wartet der Tunnel auf uns. Abenteuer, Spannung, Kribbeln.  Los geht’s über Sand und Geröll, diverse Pfützen in vollkommener Dunkelheit. Ob der Tunnel enden wird oder wir in ein schwarzes Loch stürzen, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Da, Licht! Geschafft und die Belohnung folgt auf dem Fuß. Ein Panorama das seines Gleichen sucht.

Da entdecke ich auch noch ein Murmeltier, das unseren Weg kreuzt. OMG! Es ist einfach toll hier. Gemütlich tuckern wir den Berg hinunter, wieder über Geröll und Steine, aber nicht mehr so anspruchsvoll, wie die Auffahrt. Genuß pur. Nebenbei bemerkt darf man hier überall fahren!
Unglaublich.

Am Fusse des Berges angekommen kehren wir erschöpft und glücklich ein. Mit letzter Kraft kann ich meine Kaffeetasse zum Mund führen. Naja, ganz so dramatisch war es nicht, aber eine gewisse Grundkondition sollte man schon für diesen Berg mitbringen. Der Rest der Tour führt uns wieder direkt durch ein Waldgebiet, welches alleine schon eine Tour wert gewesen wäre. Zurück auf dem Zeltplatz, laufen wir direkt zum See und springen in das kühle, erfrischende Gewässer.
Mehr geht nicht an einem Tag.

Weitere Touren

Die restlichen Tage verbringen wir mit wunderschönen Touren durch die Region. Einmal geht es um den riesigen, türkisen Lac de Serre-Poncon . Ein anderes mal geht es zu den „Fontaines des miracles“ beim Col de Pontis der uns mit echt harten, supersteilen Serpentinen erfreut. Richtig geil auch unsere Tour zum Lac de Lauzes, wo die Wegbeschreibung (lt. Alpenrouten) immer falsch (bzw. kaum zu finden) war, wir auf einmal einen superschmalen Wanderweg hochgefahren sind und im Niemandsland landeten, was in einer echten Offroad Erfahrung endete.
Landschaftlich ist in dieser Region alles der Hammer. Schmale asphaltierte Alpenstrassen, breite Skigebietspassagen, Waldpassagen, Geröllaufstiege - Hier ist wirklich alles vorhanden - und am Ende wartet fast immer ein phantastisches Panorama und einsame Natur!

Leider verlassen mich hier meine Aufzeichnungen. Soviel kann ich jedoch sagen: das ganze Gebiet eignet sich hervorragend für Motorradtouren. Von Vorteil sind sicherlich kleine, leichte Motorräder wie die CRF, KLX o.ä., vieles kann man jedoch auch mit normalen Tourenbikes „erfahren“.

Obwohl August, war es auf dem Campingplatz nachts oft richtig kalt (ca. 5 Grad), daran sollte man bei der Auswahl des Schlafsacks denken. Wir haben uns mit Pastis beholfen. Gegkocht haben wir fast immer selbst. Hier kann man richtig Geld sparen.

 
Unserer Meinung nach eigenen sich die Regionen um Embrun und Annecy für einmalige und unvergessliche Motorradurlaube.
Uns hat es so fasziniert, dass wir ihn nächstes Jahr mit der ligurischen Grenzkammstrasse u.ä. weiter machen wollen.

PS.

Und noch ein Video: Solltet ihr falsch navigieren, könnt ihr Glück haben und in wunderschöne offroad Gebiete gelangen. Wir waren etwas verstört und wussten weder, ob man dort fahren kann oder darf. Das Video sieht zwar nicht so sprktakulär aus, der Weg "entwickelte" sich jedoch im weiteren Verlauf.Ein Erlebnis war es definitiv!

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Kommentare: 4
  • #1

    Fine (Mittwoch, 11 Januar 2017 11:17)

    Schöner Blog Beitrag. Und die Bilder sehen auch alle echt super aus. Wir planen in diesem Frühjahr eine <a href='http://www.bikeworld-travel.de/tour-category/europa/' > geführte Motorradtour durch Europa</a> und hoffen, dass wir dann auch so tolle Landschaften sehen.

  • #2

    Emerson (Mittwoch, 11 Januar 2017 15:25)

    In der Region waren wir vor ein paar Jahren auch mal mit den Motorrädern unterwegs. Vielen Dank für die tollen Bilder. Da werden Erinnerungen wach :)

    Viele Grüße,

    Emerson

  • #3

    Björn (Donnerstag, 16 Februar 2017 15:39)

    Schöner beitrag und tolle Bilder. Vielen Dank für die Mühe. Freut euch schonmal auf die LGKS, hätte da noch ein paar Tipps für eich. Schaut einfach mal in Ruhe auf meiner Homepage, da findet ihr einiges dazu!

  • #4

    Ralf (Freitag, 19 Mai 2017 17:17)

    Sehr schöne Bilder. Wenn doch nur alle Strassen geschottert wären ;-)
    Ist die CRF nicht ein feines Moped.....
    Gruß Ralf