Frankreich 1 - Annecy

Savoyen und Dauphiné - Teil 1

Frankreich Savoyen und Dauphine mitg der Honda CRF250L

Auf nach Polen???

Wie landet man bitteschön in Savoyen (Frankreich), wenn man eigentlich in Polen eine Motorradtour machen möchte? Das frage ich mich auch, werde es Euch aber gleich beantworten können.

 

Zunächst möchte ich noch kurz erwähnen, dass mir immer wieder die Länge von Reiseberichten (auch meiner) auffällt. Zum Beispiel unser Reisebericht Schottland in 57 Teilen... Da bloggt der Blogger hemmungslos, aber wer soll das alles lesen!? Ich versuche diesen Bericht mal etwas kürzer zu fassen, ohne wichtige Infos für Euch zu vergessen.

 

Wir planten unseren ersten Motorradurlaub bei dem wir nicht mit den Motorrädern auf der Strasse, sondern dem Transport der Kisten im Bulli starten wollten.

Ein Affront an für sich, aber irgendwie auch ganz geil!

Als norddeutscher Moppedfahrer kennt man nämlich die Autobahnen und zwar alle. Die VW Bus Testfahrt sollte nach Polen gehen, weil entfernungstechnisch nicht ganz so weit weg. Dummerweise schaute ich jedoch ein bisschen Tour de France. Ich glaube es war die 19. oder 20. Etappe und schon war es um mich geschehen. Wunderbarste Natur, grünstes Grün und Berge ohne Ende. Viele kleine Straßen, Hügel, Seen. Halt alles, was das Mopped-Herz berührt. Mein Gattin, da spontan und unkompliziert, eh genervt, da ja in Polen genauso beschissenes Wetter wie bei uns war, machte sich sofort an die Planung, und so wurde unser erster Zielort  Annecy. Das liegt allerdings in Frankreich und nicht in Polen. Den Campingplatz buchten wir von Deutschland aus, diverse Routen und Etappen plante U.Schi mit Hilfe von www.alpenrouten.de

Tipp 1:

Schöne Motorradtouren findet man auch beim Studium von Tour de France Etappen

z.B. http://www.letour.fr/le-tour/2016/de/etappe-19.html

 

Tipp2:

Sämtliche Campingplätze in Annecy waren ausgebucht.
Es empfiehlt sich einen ersten Anlaufpunkt über das Internet zu buchen

Annecy

Wir steigen also direkt in Annecy ein.
Camping l`Horizon heißt (http://www.camping-horizon.fr/infos/infos-gb.htm) das fesche Plätzchen, das wir uns ausgesucht haben. Ein wunderbarer Blick auf den Col de Forclas (Montmin) und hunderte von Paraglidern, deren Einflugschneise sich direkt über unserem Bulli befindet. Blauer Himmel. Sonne. Traumhaft.

Unserem holländischen Nachbarn wird sofort übel, als er sieht, wie wir die Moppeds aus dem Bulli laden und zudem noch 3 Millimeter seiner Camping Parzelle benutzen. Nein, viele Holländer sind nicht nett, nicht offen, geradezu unfreundlich. Buh! Aber wir haben auch einige, wenige freundliche Kaasköppe kennengelernt. Ich erwähne das auch nur, weil ihr in dieser Region ausschließlich Franzosen und Holländer antreffen werdet.

Tipp 3:
Immer Klopapier und am besten Desinfektionsmittel dabei haben. Frankreich ist toll die Sanitäranlagen unterirdisch, ohne Klobrillen und überhaupt igitt (und wir sind da echt nicht zimperlich...).

Memo an mich: Kurz fassen – dies soll ja kein Roman werden

Und so steige ich gleich exemplarisch mit einer Tour ein, die uns ein unvergängliches Lachen in unsere Gesichter gemeißelt hat.

Highlight Tour in der Region Savoyen:

 

Annecy – Route de Montagnes – Col de l`Arpettaz – Col des Aravis

 

Google Maps stellt die Tour beim Einbetten leider falsch dar, deswegen hier nur ein Link zu unserer Route: https://goo.gl/maps/yCTH2AJoz2U2

Los geht es an einem kühlen Morgen mit der Anfahrt auf den Col de Forclaz, der ja direkt vor unserem Campingplatz liegt. Ein toller "Tour der France Berg" der ersten Kategorie. Viele leicht zu fahrende Kehren, ein paar Rampen, streckenweise recht schmal, aber immer chic. Auf dem Gipfel eine traumhafte Aussicht auf den Lac d`Annecy und viele Touristen, die den Paraglidern bei Ihrem Start zusehen. Die Abfahrt macht richtig Laune, teilweise eng, spitzkehrig, schnell und desolate Dosenfahrer, die durch unerwartete Manöver glänzen. Konzentrieren und Spaß haben! Ich bin erstaunt, dass meine kleine Honda CRF doch ordentlich Feuer hat und sich von alleine in die Kurven haut. Geil, kleiner Rausch-Vorsicht-Übermut tut selten gut.

Ich erlebe das erstemal in meinem Motorradfahrerleben, was „stempeln“ heisst. Mein Hinterrad hebt partiell vor der Kurve ab und das gleich diverse Male. Tack, tack, tack, tack, tack! Dieses sonderbare Phänomen, hatte ich bis dato nur bei Motorradrennen beobachtet.


Weiter geht es ein kleines Stück auf der D1508. Versteckt und unerwartet erblicken wir aus dem Augenwinkel das Schild, welches uns den Weg zur „Route des Montagnes“ weist. Kann man gut übersehen, also Augen auf, wenn ihr da seid und links abbiegen.

Nun beginnt eine wunderbare Auffahrt zum Col de L´Arpettaz. Eine schmale, asphaltierte Strasse, breit genug für max. 1,5 Autos windet sich den Berg hinauf. Enge Kurven, weite Kurven, steile Passagen, Waldabschnitte, grüne Weiden und nichts außer ein paar Radfahrern. Diese Strasse ist uninteressant für Autos und das ist so etwas von geil für uns. Befreit von allem cruisen wir den Berg hinauf. Ein Traum! Auf dem Gipfel: Blauer Himmel! Eine stilvolle, neue Hütte, eine traumhafte Aussicht, ein Cafe au lait und jede Menge Glückshormone!

Achtung, jetzt wird`s spektakulär! Hier müssen wir uns leider von den Kollegen verabschieden, die ein reines Strassenmotorrad besitzen (und nicht wahnsinnig oder unmenschlich mutig sind), diese nehmen bitte die alternative Straßenabfahrt, denn jetzt geht es auf Schotter weiter!

Wobei wir natürlich auch immer mal wieder GS & Co trafen. Ich denke jeder Motorradfahrer mit Erfahrung sollte wissen, ob er sich mit seiner Maschine Schotter zutraut oder nicht.  Mit leichten Corssmaschinen macht es auf jeden Fall am meisten Spaß.

Eins ist klar: Endurowandern macht glücklich!

 

Das muss man sich mal vorstellen: Ein Wanderweg auf dem man Motorradfahren darf!
In Deutschland unvorstellbar, oder? Das funktioniert wahrscheinlich nur, weil sich alle respektieren. Wir haben selten böse Blicke von Wanderern auf den Schottertouren geerntet, allerdings haben wir auch keine Enduristen mit lauten Pötten o.ä. getroffen. Gemütlich tuckern wir über den Alpenweg, grobe Steine, feiner Schotter, Löcher, Huckel, Steigungen, Abfahrten, enge Kurven, Kühe, kleine Sprunghügel – halt alles was das Herz begehrt. Richtig schön und auch ein bisschen Sport. Glücklicherweise ist unser Tank fast leer, so dass wir den Schotterumweg über Flumet (siehe Karte) machen müssen.
Sauber, denn mehr Schotter=mehr gut!

Weiter geht es in Richtung Col des Aravis, wo wir auf den letzten 500 Metern auf diverse Wandererhorden stoßen (den Rest des Tages hatten wir den Berg allerdings für uns).

Wir waren so begeistert, dass wir im Schotterbreich keine Fotos gemacht haben...nur dieses kleine, wackelige, tonbefreite Amateurvideo, das nicht annährungsweise die Schönheit und den Spaß dieser Etappe widerspiegelt!

 

Ich könnte sofort wieder losfahren, wenn ich nur dran denke.

Weitere tolle Touren in dieser Region:

Tagestour 1: Annecy/Col de Plan bois/Col de la Croix Fry

 

Tagestour 2: Annecy/Albertville/Col de Saisies/Staudamm-Barrage de Saint Guerin/Comet de Areches/Aime/Beaufort (Schotter vom Staudamm bis ca. Aime)

Der Staudamm ist nicht leicht zu finden-hier müsst Ihr gut navigieren

 

Diese Routen gibt es auch bei alpenrouten.de

 
Tipp 4:

Es empfiehlt sich jedoch auch mal nach rechts und links zu schauen und eigene Wege je nach Lust und Laune zu befahren. Hier ist wirklich viel möglich!

Resümee Savoyen

Eine tolle Motorrad Gegend. Egal ob oder Strassenmotorrad oder Enduro, hier kann jeder viele entdecken. Wir fanden es (fast) besser als in Südtirol und das will schon etwas heissen. Wenig Verkehr, unendliche Kurvenstrassen und Pässe zum Austoben, ein sehr gepflegtes, sauberes Äusseres, wunderschöne Natur. Für uns perfekt.

Camping: So lala...
Essen: Sollte man selbst machen, da Restaurants teuer sind - In Frankreich braucht man ja seit Menschengedenken eh nur Baguette und Brie ;-)
Patisserien: Hier gibt es immer ein leckeres Stück Kuchen
Sprache: Hier versucht man auch Englisch zu verstehen und zu sprechen

Die Anfahrt mit dem Bulli hat sich gelohnt. Es ist einfach entspannter. Jawoll.

 

Nicht erzählt habe ich, dass uns die "Wirtin Marie" auf dem Col de Planbois erlaubt hat einen privaten Schotterweg zu benutzen und das dort eine unserer CRF s auf einem Haufen Kuhkacke ausgerutscht ist und auf der Seite lag. Naja, aber wer will schon so etwas wissen!?

Ein Besuch der Auberge lohnt sich: L`Auberge de Plan bois bei Facebook 

In Teil 2 unseres Reiseberichtes fahren wir südlicher über den Col du Galibier (mit dem Bulli) in die  Dauphiné und erklimmen dort u.a. den Col du Parpaillon.

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Kommentare: 3
  • #1

    G'schichtnErzählerin (Donnerstag, 08 September 2016 14:40)

    Schade, das der Bericht so kurz ist. Ich liebe 100-teilige Reiseromane. Es ermöglicht einem, mitzufahren und sich in die Region zu träumen. Der aktuelle ist einfach nur ein Kurzabriss. Ich vermisse den Spaß, den Ihr hattet. Irgendwie kommt der nicht vor.

  • #2

    Rossi (Freitag, 09 September 2016 08:46)

    Hi G'schichtnErzählerin,

    ich verstehe, was Du meinst. Allerdings ist das auch sehr viel Arbeit und schon in dieser Form sitze ich diverse Stunden bis alles fertig ist. Weiterhin glaube ich schon, dass es einige Leser ganz schön finden, einen Artikel auch mal nebenbei lesen zu können. Wenn es sich ergibt schreibe ich auch mal wieder mehr.

    Du kannst Dir aber gewiss sein, dass wir einen Riesenspasß hatten!

    Trotz Schottland, Toskana, Kroatien, Südtirol etc. war das glaube ich die schönste, aufregendste und spannendste Tour für uns.

    VieleGrüße, Rossi

  • #3

    Voker FahrLässig (Sonntag, 25 September 2016 21:54)

    Hi nette Runde da, die wir auch fast jedes Jahr auf den Weg in den Süden mitnehmen.

    Links und rechts gibt es noch ein paar nette Alternativen.
    Sollten sich in diversen "Grenzgänger Threads" im Feldwegstreuner Bogspot finden.
    Unterkunft geht auf der Weiterfahrt nach Süden immer ganz gut bei Madame Bellachat in Pussy.
    Heißt wirklich so.
    Dann bin ich ja schon mal auf eure Abenteuer vom grand Parpaillon gespannt.
    Der Tunnel ist ja frisch geschoben. Hatte aber lustig viel Wasser.
    Grüße
    Volkerrr