Schottland:Motorrad 4

Highlandtouren

Schottland-Highlands-Glencoe

 Ja, ja so schnell geht die Zeit vorbei und schon haben wir 2016. Zeit für den vierten und letzten Teil der "großen Schottland Saga". Ich bin ja froh, dass wir nur diesen 5- tägigen Kurztripp gebucht haben, sonst müsste ich wohl mindestens 20 Teile Reisebericht schreiben.
Denn eins ist klar: Jeder Tag Schottland bietet ein so breites Spektrum an Erlebnissen und Impressionen, dass es wirklich schwer ist diese in einem überschaubaren Bericht zusammenzufassen. Nachdem Ihr ja schon viel über unsere Anreise und erste Erlebnisse in Schottland erfahren habt, erzähle ich heute von einer wirklich tollen Tour in die Highlands, nach Glencoe.

Glencoe - Highlander, Braveheart, James Bond? - Keiner da!

schottisches Frühstück mit Porridge
Porridge? Lecker!

Nachdem wir köstliches Porridge und Blutwurscht mit Speck zum Frühstück verspeist hatten, fuhren wir bei herrlichem Sonnenschein und einer muckeligen Temperatur von 11 Grad vom Green Hotel, in Kinross ab. Ziel: Glencoe. Sagenumwoben und Kulisse unzähliger Hollywood Block Buster. Dies vorweg: Diese Tour ist eine Pflichtveranstaltung für alle Schottland Motorrad Abenteurer. Trotz der „nur“ 276 Miles empfanden wir die Ausfahrt jedoch auch als verdammt anstrengend.
Hier solltet Ihr einen ganzen Tag einplanen.


Zu 100% bekomme ich die gefahrene Route leider nicht mehr zusammen. Das ist aber nicht so schlimm, da ihr Je näher ihr Glencoe kommt, eh nur noch die einzige, fahrbare Strasse benutzen könnt, die A 82.

 

Typisch schottisch geht der erste Teil der Reise ziemlich unspektakulär, aber trotzdem lohnenswert von statten. Kleine Straßen, größere Straßen, kleine Orte, Ginster, Schafe, schlechte Wegstrecken, hügelige Wegstrecken, bergige Landschaften, Seen, kurvige Strecken u.v.m. Alles was sich unsere kleinen, aber ehrlichen Motorradfahrerherzen erträumen. Und immer schön langsam fahren, damit ihr nach links und rechts schauen könnt, um die Schönheit, die Eigenarten und Besonderheiten dieses außergewöhnlichen Landes zu entdecken.

05/2018 - Die Wegbeschreibung musste ich leider aufgrund der DSGVO entfernen.

Ein Highlight erlebten wir am Loch Earn, wo uns bei einer Pause am Straßenrand, ein älterer schottischer Biker ansprach. Ausser „Ay“ (kennt Ihr aus Highländer: „Ay, meine Blume“) verstand ich leider kaum ein Wort. Für ein kleines Benzingepräch reichte es trotzdem, da ich mir nicht zu schade war ca. 20 mal pro Satz nachzufragen, was er denn wohl gemeint haben könne. Der ca. 70 jährige Fireblade (Honda CBR 600) Fahrer blickte neidisch auf meine bequeme Transalp. Seiner Meinung nach sei nun wirklich die Zeit gekommen, wo er seinen Scheiß-Hobel endlich entsorgen solle und lieber auf so eine gemütlich Kiste wie meine umsatteln wolle. Es wäre schließlich echter "Bullshit", wenn er immer vom Motorrad gehoben werden müsse. Die Knie würden das nicht mehr mitmachen und überhaupt. Geiler Typ.

Es zeigte sich einmal mehr, dass die Schotten kontaktfreudiger sind, als die Kölner beim Karneval. Hier wird es dem kühlen Norddeutschen wirklich leicht gemacht ins Gespräch zu kommen. Vor dem Abschied empfahl unser neuer Bikerkumpel noch, dass wir einen Stop am „The Green Welly“ machen sollten. Dies sei DER Bikertreff in Schottland.  Thank you, Sir and Bye, bye.

 

Falls of Dochart

Wir fuhren weiter auf der A85 und bogen rechts in Richtung Falls of Dochhart ab. Die hatte U.Schi als lohnenswertes Ziel im Internet gefunden. Schließlich handelt es sich um einen der schönsten kleinen Flüsse (eigentlich ja sogar die vlt. schönsten Wasserfälle) Schottlands. Ein lohnenswerter Ort um zu pausieren und sich in mittelalterlicher Kulisse zu entspannen. Das in der Karte angegebene „Falls of Dochhart Retirement Home“ muß allerdings nicht zwangsweise angesteuert werden, es sei den ihr seid steinalt und sucht ein heimliges Plätzchen für den bevorstehenden Ruhestand ;-)

The church!

Auch, wenn die Fahrt auf der A 82 über etwas zu große Strassen mit einem sehr spröden Belag
führte, näherten wir uns langsam Glencoe. Allerdings nicht ohne vorher einen richtig tollen Kaffeestop zu machen. Zwei Damen (Donna und Diana) führen in einer umgebauten Kirche ein Kaffee, wo Brote, Scones und sonstige Kuchen hergestellt werden. Mitten auf dem platten Land. Das Ding war gerammelt voll. Mit Schotten. Klein und gemütlich. Alles sehr geschmackvoll hergerichtet, leckeres Essen, guter Kaffee. Ein absoluter Geheimtipp. Bei Google-Maps mit folgendem Suchbegriff zu finden: finden: Country Mumkins At The Artisan Cafe
Facebook: https://www.facebook.com/countrymumkinstyndrum/

Die Highlands - Glencoe

Und dann waren Sie da - Diese mysteriösen Berge und Landschaften. Überzogen mit Heide, teilweise Schneekuppen, karges Land, ein nüchternes Farbspektakel. Schaut Euch einfach die Fotos an, denn die sagen mehr, als ich hier beschreiben kann.

Die Highlands in Schottland, bei Glencoe
Higlandpanorama - Vergrößerbar!

Unsere Photos und die Schilderung der Eindrücke können jedoch nur einen Bruchteil des Live- Erlebnisses wiederspiegeln. Nur vor Ort spürt ihr das Rauhe, Einmalige und Beeindruckende dieser Landschaft.

 

Der Highländer war übrigens nicht mehr da, genauso wie das Haus von James Bond (weil, war ja aus Pappe und wurde nach dem Dreh abgerissen oder verbrannt), auch der Bravehaert schien gerade seinen versyfften Kilt zu wechseln, und konnte uns nicht begrüßen, selbst Harry Potter hat wohl Hogwarts mittlerweile mit Bestnoten abgeschlossen und wohnt in irgendeinem Loft in London. Egal, es war auch ohne diese komischen "Heinis" ein Erlebnis!
Mir ist jetzt auf jeden Fall klar, warum so viele Location Scouts diesen Platz für Ihre größten Filmproduktion auswählen. Die Highlands sind wirklich eine einmalige Naturkulisse mit einer unvergleichlichen Atmosphäre. FAHRT DA HIN!

Zurück über den "The Green Welly Stop" und Gleneagles

The Green Welly Stop
The Green Welly Stop

Auf dem Rückweg machten wir den empfohlenen Stopp im Green Wally und wurden direkt von zwei englischen Buddies aus Manchseter vollgesabbelt. In Schottland werden sogar die Engländer umgänglich ;-) Die beiden waren von Glencoe ebenso verzaubert wie wir und warteten mit einigen Superlativen auf (es fielen Worte wie: incredible, magnificent, wonderfull and many more...). The Green Wally hat übrigens einen riesigen Motorradparkplatz, der davon zeugt was hier an den Wochenenden los ist. Bikerparadies Schottland. Wir versuchten uns bei einer Pizza, div. Kaffee und Cola ein bisschen zu erholen - Schließlich hatten wir noch den ganzen Rückweg vor uns. Dies ist übrigens der Nachteil bei einer Abenteuerreise mit fest gebuchter Unterkunft. Da muss gefahren werden bis die Hände blasen Schlagen und der Hintern eine rosa Farbe annimmt ;-)

 

Der Heimweg gestaltete sich genauso abwechslungsreich und lohnenswert, wie die Hinfahrt.

By the way (wie der Schotte sagt) - Vorsicht vor den Fasanen! Das sind potenzielle Selbstmörder, die ständig auf die Straße rennen, und sich gnadenlos in den Weg stellen. In der Luft liegt ein Hauch von Todessehnsucht. Verrücktes britisches Viehzeug!


Unsere kleine Landpartie führte uns noch am riesigen Gleneagles Komplex vorbei. Dort wo sich eine der weltweit bekanntesten Golfanlagen befindet (Riders Cup) und vor einigen Jahren der G8 Gipfel stattfand. Herrschaftlich und großdimensioniert. Weitere Infos: www.gleneagles.com
Erschöpft und glücklich trudelten wir gegen Abend wieder in Kinross ein. Noch 1-2 Ale an der hoteleigenen Bar und ab ging es ins Bett.

The Backstage Club - Im Green Hotel, Kinross

Backstage Club
Backstage Club

Tipp: Wer nicht zu müde ist geht im „Green Hotel“ in den Backstage Club. Wir haben es nicht geglaubt, mitten in unserem Hotel befand sich ein richtig, cooler Musikclub. Also, im HOTEL! Der Besitzer hatte diverse signierte Gitarren von Jimmy Page bis Jimi Hendrix (?) an der Wand hängen. An die 100 von echten Rockstars unterschriebene Gitarrenschlagbretter zierten die Wände. Rockgeschichte Live. Eintritt wie immer recht teuer. Ambiente: Spitzenklasse (also wenn man auf echte Musikclubs steht)
Infos: The Backstage

Glenshee & Braemer

So, jetzt hab ich nur einen Bruchteil der Erlebnisse geschildert und schon geht es weiter, ein neuer Tag, eine neue hammergeile Tour. Ich beschreibe sie nur stichwortartig, sonst lest ihr euch noch die Augen wund. Wir fuhren nach Glennshee/Braemer dem größten Skigebiet Schottlands.
Ja, Ihr lacht, aber das gibt es wirklich!

05/2018 - Die Wegbeschreibung musste ich leider aufgrund der DSGVO entfernen.

Scone Palace

Auf dem Hinweg lohnt sich ein Stopp am Scone Palace (http://scone-palace.co.uk/) ein traditionsreiches Schloß, wo die schottischen Könige gekrönt wurden. Durch ein Tor, das einer Privateinfahrt ähnelt und über einen kleinen Weg, erreicht ihr dieses Schloß. Am Wegesrand werden euch wahrscheinlich Tiere begegnen.
Wenn ihr Euch nicht sicher seid, ob ihr da langfahren dürft/solltet seid ihr vermutlich richtig ;-)

Richtung Glenshee

Ihr könnt die Tour auf der Google Karte verfolgen. Sie lohnt sich. Fahrt diese Tour, wenn Ihr in der Nähe seid. Sie ist ebenfalls toll und bietet kurz vor Glenghee eine sensationelle, enge, hubbelige Kurvenstrecke. Racing Modus an (und das mit der Honda Transalp*lol). Aber Vorsicht, der Straßenbelag ist mitunter "fragwürdig".

Auf dem Berg könnt Ihr in einer Hütte einkehren. Ist schon komisch dort Liftanlagen zu sehen...
Es ist glaube ich überflüssig zu erwähnen, dass wir dort wieder umgehend mit schottischen Bikern ins Gespräch kamen.

Den Rückweg kann man je nach Energie und Abenteuerlust wieder über kleine und kleinste Sträßchen wagen. Abends sind wir dann in Kinross im „The Muirs Inn“ essen gegangen, welches ich gerne empfehlen möchte. Der stilvolle „Schotte“ von nebenan mit sehr leckerem Essen.
http://www.themuirsinn.co.uk/the-restaurant/

Schade, das war es schon...

Schade, das war`s schon. Am nächsten Tag fuhren wir zurück zur Fähre nach Newcastle. Leider ein wenig unter Zeitdruck stehend, konnten wir einige angepeilte Ziele nicht mehr ansteuern (besonders Melrose Abbey). Schade.
Ein tolles Erlebnis hatten wir noch im Stau auf der Autobahn in Richtung Hafen. Wirklich jeder Autofahrer hat Platz für uns gemacht, so dass wir in der Mitte zügig vorankamen.
Warum geht das hier nicht?


Auf der Fähre waren noch diverse total besoffene, verkleidete, enthemmte Gruppen britischer Jungesellen/innen die Ihre Abschiede von der ehelosen Zeit feierten. Alle mit Bildern auf dem Körper, wie bei einer Tattoo Convention. Hooligan Party. Wirkte am Anfang so, als ob 2 Millionen Jahre Knast auf dem Kahn versammelt wären, stellte sich später glücklicherweise als erträglich raus. Die Feiergesellschaften waren zum Glück alle um 23:00 Uhr so voll, das sie ins Bett mußten.

 

Die Rückfahrt von Amsterdam nach Hamburg machten wir in einem Stück und in einem unerbittlichen, permanenten, kalten Regenguss. Zietternd und durchnässt trafen wir gegen Abend zu Hause ein. Unsere Moppeds, die Honda Transalp und Triumph Street Triple machten übrigens mal wieder überhaupt gar keine Probleme. Beide Maschinen sind für ausgedehnte Urlaube wirklich zu empfehlen.
 

Fazit:

Schottland ist nach unserer Einschätzung ein Muss für Motorrad-Reisende. Freundliche Menschen, abwechslungsreiche Touren, wahnsinnige Landschaften. Was wollen wir mehr? Es gibt natürlich in Schottland soviel Raum zu erkunden, dass man sich dort wochenlang aufhalten kann.

 

Uns hat das DFDS Starterpaket jedoch erstmal gereicht. Da kann man viel Schottland in kurzer Zeit kennen lernen. Eins möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen - Schottland ist teuer. Für einen zwei Wochen Urlaub solltet ihr eure Taschen ordentlich mit Geld vollstopfen.

Kommentare und Fragen könnt ihr gerne unten im Formular platzieren.

 

Es war definitiv die schönste Hochzeitsreise die wir jemals gemacht haben! :-D

 

Ach ja, geregnet hat es in Schottland übrigens so gut wie gar nicht...

Tretboot in Seenot - Love & Peace!
Tretboot in Seenot - Love & Peace!