Schottland:Motorrad 2

Teil 2: Amsterdam - Newcastle upon Tyne - Kinross

Schottland harry potter hogwarts

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, wir standen vor der „Princess Seaways“, eine riesige Fähre die ihren dicken, stählernen Bauch für uns öffnete (geile Formulierung, oder? ;-) ).
Die Überquerung der Nordsee mit dem Schiff solltet ihr euch bei einer Motorradreise nach Schottland nicht entgehen lassen!
Die Route: Amsterdam/Ijmuiden – Newcastle (Upon Tyne).

 

Ich hatte schon im Vorfeld meine Bedenken bezüglich dieser Überfahrt angemeldet. Dabei ging es nicht so sehr um uns, sondern eher um die Bikes. Ich hatte absolut keinen Plan, wie man die Kisten in so einem Koloss befestigen soll. Die Nachfrage in einigen Foren und direkt bei DFDS ergab, dass ich mir keine Sorgen machen solle. Gut. Man gab mir ferner den Tipp, dass Mopped an verschiedenen Punkten zu befestigen (Forum) und mir bei Bedarf Hilfe, bei dem dafür zur Verfügung stehenden Schiffspersonal, zu besorgen (Rederei).

Kabinentoilette auf der Princess Seaways
Soll ich hier duschen, während ich auf dem Klo sitze!?

Wir fuhren guter Dinge auf die „Princess“  und wurden unverzüglich von einem engagierten Helfer getrennt. Die Triumph bitte nach rechts und die Transalp nach links. Mein wildes Gestikulieren wurde ebenso wenig wahrgenommen,  wie meine direkte, vehemente Ansprache ("Ey"!!!), dass wir zusammen gehören würden. Hier zählte nur das Wort des befehlhabenden Einweisers. Um es kurz zu machen: Mein Mopped konnte nicht gut befestigt werden, da ich den schlechtesten Parkplatz auf dem Schiff, ohne Ösen und sonstwas, bekam. Mein Nervenkostüm lag blank, zwischen mir und meiner Frau standen zwei riesige LKW und die versprochenen Helfer hatten noch nicht mal ansatzweise Interesse Hand anzulegen. Letztendlich zurrte U.Schi die Kiste dann irgendwie fest und völlig verschwitzt schleppten wir die  gefühlten 1.000 Kilo Gepäck zu unserer Kabine. Puh.

Die Kabine war zwar ein kleiner Miniraum, mit elegantem Kunstoffbad, aber überraschenderweise urgemütlich. Wir haben uns da wirklich wohl drin gefühlt, obwohl sehr eng und wenig luxeriös. Das sanfte Wiegen der Wellen, Meeresgeräusche und ein gutes Bett sorgten für eine sehr angenehme Überfahrt, an die wir immer noch gerne zurückdenken. Ansonsten werden diese DFDS Liner allerdings auch als Partyboote mißbraucht. Hierzu mehr, wenn wir uns der Rückfahrt widmen.

Los geht die Fahrt!

Das Auslaufen genießt man natürlich an Deck, bei einem kühlen Bier und guter Livemusik. Hier exzellent vorgetragen von einem Engländer mit seiner Akustikgitarre, der von Johnny Cash bis Robbie Williams allerhand Pop- und Rockklassiker im Programm hatte. Guter Mann! Ein letzter Blick auf die wunderbaren und dampfenden Industrieanlagen von Ijmuiden und schon ist man auf dem offenen Meer. Und was macht man auf so ner Fähre? Erkunden des Schiffes, Besuch im Duty Free Shop, Essen, Bier, aufs Meer gucken und sich den Wind um die Ohren pusten lassen, schlafen. Wir hatten noch das besondere Glück, daß eine Gruppe jugendlicher, französischer "Pubertätsopfer" der Überfahrt beiwohnte. 100 Chaoten, die ständig über alle Treppen wuselten, nicht wussten wo sie hin sollten und für eine gewisse Unruhe, die an eine Ameisenkolonie erinnerte, sorgten. Pickelalarm!
Irgendwie auch ganz amüsant.

Tipp:
Essen: Die Restaurants auf dem Schiff sind ziemlich teuer. Hier empfehlen wir entweder vorher etwas zu essen oder sich einen Snack mit an Bord zu nehmen. Das Frühstück solltet ihr allerdings nicht auslassen. Das ist lecker und reichhaltig.
Schlafen: Wir haben eine Außenkabine mit Doppelbett gewählt. Gut, da Bullauge und freie Sicht auf die Weltmeere!
Zusatzkosten für Kabine und Frühstück €29,00 pro Person.
Parken: Es gibt meherere Parkdecks. Wenn man in der ersten Reihe vor dem Boot parkt, landet man im Unterdeck. Hier gibt es selten perfekte Festzurrmöglichkeiten. Im oberen Deck lässt es sich entspannt am Rand parken, wo jede Menge Ösen etc. vorhanden sind. Ach ja, Zurrgurte waren vorhanden.

England!

Newcastle
Newcastle!

Land in Sicht! Blauer Himmel empfängt uns, als wir Englands Ostküste erblicken. Schon der erste Blick auf Newcastle ist beeindruckend. Das ist nicht nur England, das sieht auch so aus! Die Vorfreude wächst und wir wandern ins Schiffsinnere, um unser Gepäck zu verstauen und die Motorräder startklar zu machen. Ausgeschlafen und satt beginnt unser Schottland Abenteuer mit einem „unüberfühlbaren“ Magenkribbeln.
Stichwort: Linksverkehr

 

Keine Angst, so schlimm ist das alles gar nicht. Im Grunde muß man ja „nur“ links fahren, das Gehirn sozusagen umdrehen. Nichts leichter als das. Und so starteten unser ersten Meilen auf britischem Terrain mit den berühmt, berüchtigten 5-10 Kreisverkehren, um aus Newcastle herauszukommen. Dank der gnadenlos, genialen Führung durch den Roadchief (U.schi) fanden wir problemlos den Weg auf die A189, später A1068 Richtung Alnwick, dem ersten Highlight.

Tipp
Autobahnen: Diese sind auch in England/Schottland doof. Wenn irgendmöglich auf kleine Straßen ausweichen!

Sorry, where is Harry Potter?

 

Nach einer entspannten Fahrt über raue englische Straßen, die uns einen ersten Eindruck von der Insel vermittelte, landeten wir in Alnwick. Das Schloss war leicht zu finden, da gut ausgeschildert. Der ausgesprochen freundliche Parkplatzwächter (...doch nicht alle Hooligans) wies uns umgehend zwei erstklassige Parkplätze in seiner Sichtweite zu. So hätte er die Maschinen im Blick. Super! Parkticket? Braucht ihr nicht, kostet nichts. Das war so nicht erwartet, aber natürlich gut. Unser erster Blick fiel auf ein imposantes Baumhaus. Eingebettet in die Natur, befand es sich am Rand des Parkplatzes. Tolles Ding!

Aber deswegen waren wir ja nicht da. Ich sage mal: "Hogwarts..." Na, klingelt`s? Alnwick Castle diente in den ersten beiden Harry Potter Filmen als Kulisse der Hogwarts Zauberschule. Zauberhaft war allerdings auch der Eintrittspreis in Höhe von 14,00 Pfund (p.P.), was umgerechnet ca. 20,00 Euro sind. Uns war das zu viel, aber man ließ uns trotzdem gewähren und einen Blick auf das Gelände außerhalb des Schlosses werfen. Das ist absolut lohnenswert, da die ganze Anlage unheimlich gepflegt und sehenswert ist. Harry Potter war komischerweise nicht da. Ein Besucher sah zwar aus wie Ron Weasley, war es dann aber doch nicht. Und so fuhren wir nach einem Tässchen (italienischer ILLY) Kaffee weiter nach Rosslyn.

Triumph und Transalp am Wegesrand in England
Kleine Rast am Wegesrand (England)

Rosslyn Chapel

Rosslyn Chapel
Rosslyn Chapel - Bekannt aus dem "Da Vinci code"

Die weitere Fahrt war schön, aber nicht spektakulär. Nach einigen kleinen Umwegen fanden wir dann doch noch  Rosslyn Chapel.
Dieser magische Ort, wo der „Da Vinci Code“ sein Ende fand. Ich wollte gerade nach dem heiligen Gral greifen, als ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ich ein nicht unerhebliches Sümmchen zu entrichtren hätte, wenn ich mir diesen Ort näher anschauen wollte. Da Tom Hanks nicht da war, der Eintritt erneut recht sportlich war und wir ja noch nach Kinross fahren mussten, verzichteten wir auf eine nähere Inspektion des Gebäudes. Mit mehr Zeit wären wir jedoch sicherlich länger an diesem Ort verweilt.

Tipp
Route: Hier gibt es sicherlich bessere Routen z.B. durch den Nationalpark Northumberland, Richtung Jedburgh, Melrose Abbey.

Richtung Edinburgh

Scotland welcomes you
Scotland welcomes you - Wir sind da!

Rosslyn/Roslin liegt ca. 11km vor Edinburgh. Da mußten wir hin und durch. Ich weiß nicht mehr wie, aber das gelang uns ohne größere Probleme. Markant, weltberümt und wirklich beeindruckend ist die Forth Road Bridge, die übrigens über den "Firth of Forth" führt. Sie verbindet Queensferry South mit Queensferry North (ach...). Dies nur am Rande erwähnt. Es gibt hier wohl einen Parkplatz von dem man tolle Fotos schießen kann. Wir haben ihn verfehlt. Schade.
Um aus Edinburgh herauszukommen fuhren wir ein Stück auf der M90. Da wir schon ziemlich kaputt waren mußten wir auf der Autobahn bleiben. Als wir von der Autobahn abfahren konnten wurde es endlich typisch schottisch. Rauher, sehr körniger Strassenbelag, enge Straßen, kleine Hügel, Schafe (und Schafe und Schafe), blühender, gelber Ginster. Ja, so sollte das sein.

Schottlands Willkomensgeschenk ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Unvermittelt fing es an, wie aus Kübeln zu schütten. It`s raining cats and dogs! Oh no! Gerade wenn man schon ziemlich erschöpft ist nervt das ungemein. Reinpulen in die, irgendwie immer zu enge, Regenkombi, links fahren ohne Sicht, beknackte Autofahrer. Ach, ihr kennt das...
Aber wie so oft in diesem Urlaub sollte der Regen nicht von Dauer sein. Erschöpft fuhren wir in Kinnross ein, wo wir problemlos unsere Heimat für die nächsten Tage fanden: Das Green Hotel

The Green Hotel

Wie ihr vielleicht an den Bildern erkennen könnt, wäre das Green Hotel sicherlich einen Extra Bericht wert. Wenn ihr auf skurrilen, schottischen Charme steht, müßt ihr diese Anlage selbst besuchen.
Da kommt man sich vor, als ob Monty Python einen Themenpark gebaut hätte.

Bis jetzt dachte ich immer, mein Englisch sei gar nicht mal so schlecht. Die Begrüßungsworte der netten, rothaarigen, sommersprossigen Rezeptionistin sausten jedoch unverstanden an mir vorbei. Hä? Ich dachte in Schottland spricht man Englisch!? Naja, ein paar Brocken kamen doch durch und so fragte ich, wo denn die Garage sei. Wir hatten ja das „Motorradpaket“ gebucht. Wir wurden dann zu einer absolut geilen Rumpelkammer mit hölzener Schiebetür (knirsch und quietsch) geschickt, worin sich allerhand altes Zeug befand. Köstlich. Die Moppeds verstauten wir trotzdem in diesem minimal gesicherten Verlies (welches aber in den nächsten Tagen aufgeräumt wurde).

Nach kurzem Zimmertausch (wg. übelem Geruch) und Klamottenwechsel (ebenfalls wegen übelem Geruch), stellte sich ein massiver Hunger ein. Weil wir schlau sind gingen wir im hoteleigenen italienischen Restaurant essen. So liefen wir keine Gefahr mit dem schottischen Nationalgericht Haggis (Schafsmagen mit Innereien) in Berührung zu kommen. Bei Pizza&Pasta kann man ja wohl nicht viel falsch machen? Kann man doch! Sowohl Pizza, als auch die Nudeln Carbonara waren  schrecklich gewürzt (oder sonstwas). Subjektiv gesehen ungenießbar. Überhaupt war die ganze Szenerie in diesem Restaurant für uns äußerst skurril.  Viel Teppich, viel Schottenmuster, lustige Bedienungen, die etwas unbeholfen wirkten, gutes Carling Bier.
Ich kann jedoch jetzt schon sagen, dass der Rest der Reise kulinarisch völlig in Ordnung war.

 

Trotz der ersten zweifelhaften Essenserfahrung, waren wir schon jetzt ganz und gar von dieser Reise begeistert. Tolle Natur, viel zu Sehen, sehr nette Menschen. Wir freuten uns schon gespannt auf die nächsten Tage unserer Reise.

Für Euch zum Stöbern:


DFDS - Zu den Schottlandreisen (keine Werbung!)

Alnwyk Castle
Forth Bridge

Rosslyn Chapel

Green Hotel



Lest in Teil 3:
Edinburgh - Rund um Loch Leven -  Essen im Raj Mahal
Hier geht`s zu Teil 3


Unsere Route

Geändert am 18.11.2015/17:29 Uhr

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Kommentare: 7
  • #1

    Fabian2009 (Mittwoch, 18 November 2015 12:04)

    Toller Beitrag! wie auch dein Erster!
    Werden dann wohl eher hinten parken, um auf's Oberdeck zu gelangen :)

    Die Linke zum Gruß.

  • #2

    Rossi (Mittwoch, 18 November 2015 12:08)

    Danke!
    Ich glaube man braucht einfach Glück bei der Platzvergabe ;-)

  • #3

    Polly (Mittwoch, 18 November 2015 13:40)

    Hey Rossi!
    Ich bin schon ganz aufgeregt, wie es weitergeht. Besonders freue ich mich über die nützlichen Tipps zur Anreise, Solche Infos sind echt wertvoll und sparen einige Mühe in der Vorbereitung und Enttäuschung vor Ort.
    Und aber los in die Highlands!!!
    Gruß, Polly

  • #4

    Angelika (Mittwoch, 18 November 2015 16:03)

    Oh, da ist jemand unsere Route von 2013 und 2015 nachgefahren, mit dem Unterschied, dass wir in Alnwick Castle und in Rosslyn Chapel drinnen waren.
    Ich will nicht unken, aber da ist euch massiv etwas entgangen. :-)

    Bin gespannt auf weitere Berichte, wie ihr "unsere" Ziele empfunden habt!

  • #5

    Tom/Oggy (Mittwoch, 18 November 2015 16:28)

    Servus Rossi,

    wie immer, du weisst schon, ... ;-)
    Bei Urlaub auf der Insel denke ich immer: Ein Urlaub auf der Überholspur.

    Gruss aus R,
    Tom

  • #6

    Laotse (Donnerstag, 19 November 2015 21:06)

    Ja, Schottland. Das Hotel ist typisch. Das Essen ist eine kulinarische Abenteuerreise. Haggis ist so gar nicht meins, auch das Full English Breakfast habe ich immer ziemlich ausgedünnt.
    Restaurants? Entweder in die Pubs, die auch eine meist traditionell geprägte Küche haben oder zum Inder (sic!). Die gibt es dort haufenweise und sind meist richtig gut. Die sehen das Wetter dort wohl als Karma an und stören sich nicht weiter dran. Die meisten Italiener vermissen ihre Sonne und lassen das dann an ihren Gerichten aus.
    Wenn es die Möglichkeit gibt, würde ich persönlich liebern in B&B nächtigen als in Hotels. Da kann man lustige Dinge und kuriose Menschen kennen lernen.
    Allerdings hätte ich in Schottland ein Problem: ich müsste meine Herberge immer irgendwo in Heimschwankweite einer Destillerie haben, denn Fahren wäre nach einer Tour mit Tasting ein absolutes No-Go. ;-)

    Viele Grüsse vom Rande des Nordschwarzwaldes
    Michael
    der seiner XJ600 noch keine weite Tour zugemutet hat ...

  • #7

    Rossi (Montag, 28 November 2016 16:55)

    Michael: Die XJ liebt lange Touren :-D
    Also, auf geht`s!