Schottland:Motorrad

Teil1: Hamburg (Buchholz) - Groningen - Ijmuiden

Ein Reisebericht zu unserer Ausfahrt im Mai:


Endlich geht es wieder los! Die Motorradreisesaison hat für uns begonnen. Und es wartet ein besonderes Highlight auf uns: Schottland!
Ein Traum von U.Schi und mir, zugleich unser Honeymoon, unsere Hochzeitsreise. Ich sagte mir: "Drum prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Besseres findet?" Beantwortete die Frage mit: "Nö, findet sich nicht!" Und so ging es im frischen, kühlen Mai los.

triumph street triple gepäck
Die Streetie vor der Abfahrt

Wir hatten die Reise schon Ende letzten Jahres gebucht, da es sich um ein Schottland-Schnupper-Kennenlern- Angebot der Fährlinie DFDS Seaways handelte. Fährtransfer von Amsterdam nach Newcastle (und zurück), schlafen in einer muckeligen Kabine, dazu 4 Tage Übernachtung mit Frühstück (also British/Scotish breakfast), im Green Hotel in Kinross. Der Spaß kostete lächerliche 892 Euro für uns zwei. Eigentlich ganz ok, aber mit den ganzen Nebenkosten hätten wir im Endeffekt auch 3 Wochen Moppedurlaub z.B. in Tschechien machen können (und wir haben die Woche ganz sparsam verbracht). Großbritannien ist wirklich teuer, aber wir wollten ja unbedingt nach Schottland!

 

Weil das Ganze eine gemütliche Reise werden sollte peilten wir einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Groningen an. Und so startete unsere Reise an einem kühlen Morgen im Mai.

Plattes Land

Die Koffer gepackt, die Maschinen geölt und los ging es in Richtung Groningen. Natürlich nicht über die Autobahn, sondern über Bundes- und Landstraßen (aus ca. Hamburg) Richtung Bremerhaven und von dort durch den Wesertunnel, Ostfriesland (äh, warum haben die Ostfriesen alle Beulen am Hinterkopf? Weil ihnen beim Trinken der Klodeckel auf den Kopf fällt! Haha, sehr witzig!), über Varel, Wiesmoor, Leer, nach Groningen .
Wir fuhren wie gesagt ausschließlich über Land und das war wirklich flach, kaum Kurven, keine Erhebungen. Platt, wie ne Flunder. Trotzdem verhältnismässig schön (oder sagt man interessant?), aber extrem windig. Zum Teil haben wir uns eher wie Surfer gefühlt, so sehr hat die „steife Brise“ geblasen.

Groningen

In Groningen angekommen war es kein Problem unser vor Reiseantritt gebuchtes Hotel zu finden.
Dies hatte den vertrauenerweckenden Namen Postillion.
Wer nun das gleichnamige Satiremagazin kennt kann sich vorstellen, welche Gedanken sich in unseren Köpfen einnisteten. "Ob das alles gut gehen würde?" Nein, das tat es nicht!

Der Postillion in Groningen
Der Postillion - Echt witzig!

Geschickterweise hatten wir das Hotel falsch gebucht, nämlich einen Tag früher. Ups. War aber kein Problem, der Bunker war eh nicht voll und so bekamen wir ein Zimmer. Was uns jedoch ziemlich ärgerte war die unfreundliche junge Dame am Tresen. Versteckt hinter einer attraktiven Erscheinung, entpuppte sich das "Meisje" als wahre Ziege. Wir mussten selbstverständlich beide Nächte bezahlen, da könne man nun wirklich nichts machen (klar, rechtlich ist das ok, wenn man jedoch nett wäre, könnte etwas Skonto gewährt oder ne Runde Bier geschmissenen werden oder so...). Die Dame ließ uns auch unsere Koffer, Helme, Taschen etc. ewig lang bis zum Zimmer schleppen. Wie sich später herausstellte hätte sie uns auch einen (Hotel-Schiebe- Gepäck-) Wagen zur Verfügung stellen können. Danke Frau Antje oder wie immer Du heißen magst!?
Das Zimmer selbst war jetzt auch eher mittel und 70er Jahre mässig. Zum Beispiel waren am nächsten Morgen die Scheiben beschlagen und klitschnass. Ach ja, und der Postillion war keineswegs direkt in der City von Groningen, sondern eine gute Bus-Halbe-Stunde entfernt. Die nette Dame an der Rezeption verriet uns allerdings nicht, dass der Bus nur 1 Mal pro Stunde fährt, woraufhin wir (nach einem 15 minütigen Spaziergang vom Hotel zur Bushaltestelle) dort noch 55 Minuten mit warten verbringen durften. Danke Frau Postillion - Sie machen Ihren Job echt dufte. Kaaskopp!!!
Zum Glück hatten wir noch ein Becks auf Tasch`, das uns die Wartezeit verkürzte.

Groningen selbst ist wohl eine Reise wert, kann man sich anschauen. Hat Charme und nette Kneipen, Restaurants und einen wahrscheinlich typisch holländischen Stadtkern. Wir bummelten umher, (es war gerade ein Riesenjahrmarkt in der Innenstadt), prüften, ob holländische Mc Donalds genauso sind wie deutsche und landeten letztendlich in einer sehr gemütlichen Kneipe, wo wir bei 2-3 Jupiler den Abend ausklingen ließen. Hier stellten wir fest, dass auch Holländer nett sein können.

Richtung Fähre - Amsterdam/Ijmuiden

Wenigstens das Frühstück im Postillion war ok und keine Satire. Dafür hatte sich meine Transalp einen kleinen Spass ausgedacht. Ich bin das erste mal mit einem Navi gefahren. Dies habe ich zum Laden am Mopped gelassen. Folge: Batterie fast leer. Wie kann denn so etwas sein!? Auf dem letzten Zacken ist das gute Stück dann doch noch angesprungen und das Navi für den Rest der Reise in der Gepäckrolle verschwunden. Tschüss Postillion - Auf nimmer Wiedersehen

Käse aus Holland
Käse, was sonst!?

Von Groningen machten wir uns Richtung Küste auf. Zeit genug hatten wir ja. Wir mussten an diesem Tag lediglich ca. 200Km durchs holländische Flachland cruisen.  Wie am Vortag war es wieder unheimlich windig, es schien jedoch die Sonne. Gut so Sonne! Vorbei an Leeuwarden fuhren wir auf der E22 auf den Afsluitdijk (Damm), der ca. 35 Kilometer über das Ijsselmeer führt und ganz beeindruckend ist (von Zurich nach Den Oever, wer es bei google maps o.ä. nachgucken möchte).
Weil wir, besonders in Person von U.Schi, sehr schlau sind, verliessen wir die Haupt- und Schnellstraßen und tuckerten über kleine Sträßchen und Dörfer an der Küste entlang Richtung Amsterdam. Das sind die besonders schönen Momente unserer Reisen. Langsam fahren, die Landschaft wahrnehmen. In Ruhe gucken, riechen und sich an der Reise, uns und dem Motorradfahren erfreuen.
Wenn auch künstlich angelegt, so passierten wir diverse riesige Blumenfelder. So etwas gibt es doch gar nicht!? Millionen von bunt angeordneten, blühenden Blumen. Eine Farbenpracht, die Ihresgleichen sucht. Wir waren so beeindruckt, dass wir vor Freude gar kein Foto gemacht haben ;-)
Wenn auch eine (wahrscheinlich ökologisch sehr bedenkliche) Monokultur, dann aber eine sehr schöne und für das Auge und Herz besonders beeindruckende. Trotzdem merken: Dies ist eine künstliche Blumen-Welt, die ist nur ein bisschen echt.

DFDS Seaways

Schottlandfähre in Ijmuiden
DFDS Princess Seaways

Die letzten Kilometer mussten wir dann doch auf der Autobahn machen. Mit „Gefühlsnavi“ - gefährlich! Der Hafen von Amsterdam liegt nämlich ca. 40km außerhalb der Stadt und heißt Ijmuiden. Man kann sich ja quasi überall verfahren, bei uns ging es dankenswerter Weise und mit etwas Glück noch einmal gut.
Rechtzeitig kamen wir im Hafengebiet an, sahen diverse andere Biker die nach Großbritannien wollten und aßen noch eine Portion schmierige Pommes vom Holländer nebenan. Schöne Hafenatmospäre.
Ab durch die Passkontrolle, Tickets abgeholt und neben der Fähre in die Moppedreihe gestellt. Wegen Eurer Tickets müsst Ihr Euch übrigens keine Sorgen machen. Wir haben alles übers Internet gebucht und ich musste nur unsere Persos vorzeigen, woraufhin ich direkt unsere scheinbar schon vorbereiteten „Boarding-Pässe“ in die Hand gedrückt bekam.
Hierzu musste ich noch nicht einmal das Bike verlassen.

Man, ist das alles aufregend.


Tipp: Wenn ihr durch Holland fahrt solltet ihr Autobahnen und Nationalstraßen meiden. Nehmt euch die Zeit und tuckert übers Land. Hier und da werdet ihr über kleine, malerische Dörfer stolpern, an kleinen Bächen und Flüssen entlang fahren und etwas vom Land sehen. Das lohnt sich.

Lest im zweiten Teil: Die Überfahrt, die ersten Meter im Linksverkehr, ein Besuch bei Harry Potter und dem Da Vinci Code, richtig nass werden in Schottland und Ankunft in Kinross

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Kommentare: 4
  • #1

    U.Schi (Donnerstag, 12 November 2015 21:21)

    Das hast du aber sehr schön geschrieben - ich bin beeindruckt!

  • #2

    Polly (Freitag, 13 November 2015 11:35)

    Hallo! Ich habe erst seit Ende August meinen Führerschein der Klasse A und habe im September meine erste kleine Tour nach Frankreich gemacht.
    Schottland steht ganz oben auf meiner Wunschliste für 2016, weil ich dort schon im Wanderurlaub so tolle Momente erleben durfte. Ich werde Deinen Bericht aufmerksam verfolgen.
    Toll! Passt super! :-)
    Lieben Gruß, Polly

  • #3

    Tom/Oggy (Freitag, 13 November 2015 12:00)

    Servus Rossi,

    mal wieder ein sehr toller Bericht von euch beiden. Teil II wird bestimmt noch spannender.
    Also leg los und hau in die Tasten. Das Volk will lesen.

    Gruss aus R,
    Tom

  • #4

    Peter Betz (Montag, 15 Februar 2016 21:28)

    Danke für den tollen Bericht. Schottland ist neben Skandinavien für mich das schönste Land um auf zwei Rädern zu reisen. Fast meine zweite Heimat Und das Wichtigste: Es geht auch mit 125ccm und einer Vespa. Genuß pur